PEER GYNT • IBSEN

PEER GYNT • IBSEN

Premiere – Samstag, 8. Oktober 2011

Regie: Klaus Kusenberg, Bühne: Günter Hellweg

Ich spiele unter anderem den Knopfgießer und vieles mehr.
Foto © Marion Bührle

Inhalt
Foto © Marion Bührle

Die Geschichte von Peer Gynt ist sehr phantasievoll und reich an Episoden.
Die Hauptfigur ist der junge Bauernsohn Peer Gynt, der mit Lügengeschichten versucht, der Realität zu entfliehen. So verdrängt er, dass sein Vater, der einst sehr angesehene Jon Gynt, Hof und Habe durch Misswirtschaft und zahlreiche Alkoholeskapaden verloren hat. In Peers Phantasiewelt ist die heruntergekommene Behausung jedoch nach wie vor ein strahlender Palast. Auch seinen eigenen Nichtsnutz verklärt er zu heldenhaften Episoden. So schildert er seiner Mutter Aase einen halsbrecherischen Ritt auf einem „Bock“ über einen Grat. Von seiner Mutter wird Peer überbehütet und glorifiziert, doch soll er immer ihre Version des Lebens teilen. Auf der Suche nachLiebe und Abenteuer findet er sich bald in einer Welt von Trollen und Dämonen wieder. Er entführt Ingrid, die Braut eines anderen. Gleichzeitig verliebt er sich in die aus pietistischen Elternhaus stammende Solvejg, die ihn anfangs nicht erhört, sich ihm später jedoch anschließt.
Nach einem Zeitsprung von etwa 30 Jahren findet sich der inzwischen unter anderem durch Sklavenhandel reich gewordene Peer im vierten Akt in Marokko wieder. Dort wird ihm von Geschäftspartnern sein Schiff mit allen Reichtümern gestohlen. Nach einem Gebet versinkt das Schiff; Peer findet sich mit seiner Armut ab und wendet sich Gott zu. Durch einen Affenangriff wird er in die Wüste getrieben, wo er sich in eine Oase rettet. Von den dort lebenden Jungfrauen erwählt er Anitra, die ihm allerdings die letzten Habseligkeiten stiehlt. Den Tiefpunkt seines Lebens erlebt Peer im Irrenhaus zu Kairo, dem der deutsche Arzt Doktor Begriffenfeldt vorsteht.
Alt und verarmt kehrt Peer Gynt heim, wo er um seine Seele kämpfen muss. In einer berühmten Szene vergleicht sich Peer mit einer Zwiebel, die viele Hüllen, jedoch keinen Kern aufzuweisen hat. In der an einem Pfingstmorgen spielenden Schluss-Szene stellt sich jedoch Solvejg, die ein Leben lang auf die Rückkehr ihres Geliebten gewartet hat, schützend vor ihn und rettet ihn.

Kritik

Ein leises Schaudern ist da, gleich zu Beginn. Das liegt nicht am Wind, der über die Bühne heult, nicht am dünnen Nebel, der durch die klaffenden Lücken der überdimensionierten, stilisierten Bretterwände dringt. Schuld ist dieser Mann, der anstelle des erwarteten, quirligen jungen Energiebündels Peer Gynt auftritt. Der graumelierte Durchschnittstyp mit Dreitagebart ist zwar Peer Gynt, doch die besten Zeiten liegen hinter ihm. Suchend blickt er sich im fahlen Halbdunkel um, stöbert in einer Truhe mit Souvenirs. Er, der Getriebene wird zum Zuschauen verdammt: Die Bilder seines Lebens ziehen an ihm vorüber.
[…]
Die Idee, dem jungen Peer ein reifes Alter Ego zur Seite zu stellen, erlaubt ungewohnt anrührende Momente in Henrik Ibsens mythenschwerem dramatischen Gedicht.
[…]
Acht Schauspieler stemmen den Abend. Ensembleneuling Anna Keil wandelt sich überzeugend von der zarten Solveig zur lüsternen Dorfprolette Ingrid, dann weiter zum geifernden Trollweib und der Wüstenzicke Anitra.
Cornelia Fiedler – Süddeutsche Zeitung – 14.10.2011

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