SEID NETT ZU MR. SLOANE • JOE ORTEN

SEID NETT ZU MR. SLOANE • JOE ORTEN

Premiere – Samstag, 14. Januart 2023
Regie: Klaus Kusenberg, Bühne & Kostüme: Lena Scheerer, Dramaturgie: Daniel Thierjung
Ich spiele Kemp (Den Vater)
Inhalt
Der attraktive Mr. Sloane lebt wie die Made im Speck. Bei Kathrin, eine Frau in den Vierzigern, die mit ihrem alten Vater Kemp zusammenwohnt, hat er sich eingenistet und auch ihren Bruder Ed um den Finger gewickelt. Unverschämt und die Familie mit seinen Launen terrorisierend, macht sich Sloane im Leben und im Haus der Familie breit. Für Sloane ist klar: Erstens hat jede Familie eine Leiche im Keller, und zweitens ist die Treppe des Hauses auffällig steil…. Nur mit einem hat er nicht gerechnet: dass er bei Kathrin und Ed selbst in die Fänge eines fröhlich perversen Duo Infernale geraten ist…
Besetzung
Kritik

„Seid nett zu Mr. Sloane“ sorgt im Theater Paderborn für stockenden Atem und Vergnügen.
Eine höllisch schwarze Komödie 
Es geht homosexuelle Abhängigkeiten, Bisexualität, Charakterlosigkeit, Grausamkeit und Herzlosigkeit.

Was für eine Familie, in die der obdachlose Mr. Sloane da hineingeraten ist! Da ist ein trotteliger Paps namens Kemp, der vor sich hindämmert, aber in einem wachen Moment in Mr. Sloane einen Mörder erkennt. Dann Ed, sein Sohn, mit dem er seit 20 Jahren nicht spricht und der nach außen hin erfolgreicher Businessman, ein heimlicher Liebhaber von Lack, Leder und gut aussehenden Männern ist. Und dann ist da noch die nicht mehr knackfrische Kathrin, schwer gestört durch eine von Bruder Ed in ihrer Jugend erzwungene Kindesentziehung. Und so projiziert sie in den von ihr im Supermarkt aufgegriffenen Mr. Sloane einerseits heftige Muttergefühle, andererseits will sie dem attraktiven Untermieter so schnell wie möglich an die Wäsche, was dieser auch weidlich ausnutzt.
Einer muss sterben – und das ist Paps. Aber das spielt für Kathrin und Ed letztlich gar keine Rolle. Klaus Kusenberg leistete eine kluge Regiearbeit…
Von den dargestellten Personen erscheint der beinahe demente Paps Kemp (Frank Damerius) letztendlich als der einzige Normalo. Zwar schrullig und trottelig (wunderbar sparsam gezeichnet!), wird er im ersten Akt mehr und mehr zur ausgleichenden Figur zwischen den Geschwistern – ausgerechnet er muss sterben…
Frank Damerius trägt uns auch gleichsam durch das Stück, als Bühnenmusiker, der gekonnt seine Mitspieler auf Gitarre und Akkordeon bei ihren Songs begleitet.
Neue Westfälische 23.01.2023 – Rainer Abraham

Die Farce „Seid nett zu Mr. Sloane“ feiert Premiere im Theater Paderborn
Durch und durch unmoralisch

„Seid nett zu Mr. Sloane“ ist eine bitterböse Komödie aus der Zeit der „Roaring Sixties“ in London.
Deshalb muss man dorthin zurückkehren, um zu verstehen, warum das Stück und sein Autor damals für so viel Aufsehen sorgten.Funktioniert „Seid nett zu Mr. Sloane“ auch heute noch auf der Bühne? Ja, tut es. Auch wenn die Zimmerwirtin, von Kirsten Potthoff wunderbar gespielt, auf jüngere Menschen völlig durchgeknallt wirkt, ist doch das Thema emotionale Erpressung zeitlos aktuell.
Deshalb muss Regisseur Klaus Kusenberg auch nicht krampfhaft Bezüge zur Gegenwart konstruieren. Er bringt das „alte“ Stück gekonnt und ohne viel Schnickschnack auf die Bühne, in deren Mittelpunkt ein Sofa steht, auf dem Mr. Sloane, glänzend gespielt von Hubertus Brandt, so balanciert wie durch sein ganzes Leben. Alexander Wilß kann jede Rolle, wie er als Ed aufs Neue beweist. Dabei imponiert er auch als Sänger, wenn er „Zauberland“ von Rio Reiser anstimmt.
Auch Frank Damerius lockert als Kemp das Sprechtheater des Neuen britischen Dramas mit seiner Stimme und Gitarre auf. Den einsamen Alten, der einen Mörder im Haus wähnt, verkörpert er eindrucksvoll.
Wer Stücke in der Tradition von „Arsen und Spitzenhäubchen“ mag, sollte sich „Seid nett zu Mr. Sloane“ auch anschauen.
Westfälisches Volksblatt 23.01.2023 – Dietmar Kemper

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