NIKI DE SAINT PHALLE – BIOGRAPHIE


1930
Catherine Marie-Agnès de Saint Phalle wird am 29. Oktober in Neuilly-sur-Seine geboren. Sie ist das zweite der fünf Kinder der Jeanne Jacqueline geb. Harper und des André Marie Fal de Saint Phalle. Ihr Vater ist einer von sieben Brüdern, die das Bankhaus der Familie betreiben. Während der Börsenkrise von 1929 verliert er beides: das Bankhaus und sein persönliches Glück. Marie-Agnès wird zu den Großeltern väterlicherseits auf das französische Land geschickt, wo sie ihre nächsten drei Jahre verbringt.

1933
Marie-Agnès wird in Greenwich, Connecticut wieder mit ihren Eltern vereint. Sie verbringt ihre Sommerferien zumeist auf dem Chateau de Filerval, das ihrem Großvater mütterlicherseits gehört.

1937
Die Familie zieht in eine Wohnung in der East 88th Street in New York. Marie-Agnès, jetzt schon Niki genannt, besucht die Convent School of the Sacred Heart in der East 91st Street.

Portrait Niki de Saint Phalle
Portrait Niki de Saint Phalle

1941
Niki wird von der Konventsschule verwiesen. Sie wird nach Princeton, New Jersey geschickt, um bei ihren Großeltern mütterlicherseits zu leben, die Frankreich wegen des II. Weltkriegs verlassen haben. Sie besucht die lokale öffentliche Schule.

1942
Niki kehrt zu ihren Eltern heim und besucht die Brearly School in New York. Sie ist eine leidenschaftliche Leserin und im besonderen fasziniert von Edgar Allen Poe, den Bühnenstücken von Shakespeare und der griechischen Tragödie. Sie nimmt an Schulvorstellungen teil und schreibt ihre ersten Stücke und Gedichte, darunter La Peste.

1944
Niki übermalt die Feigenblätter, die die Schamhaftigkeit der griechischen Skulpturen in den Gründen der Brearly School wahren, mit hellroter Farbe. Ihre Direktorin stellt sie vor die Wahl, entweder die Schule zu verlaßen oder psychiatrische Betreuung zu akzeptieren. Ihre Eltern schicken sie in eine andere Konventsschule in Suffren, New York.

1947
Niki wird an der Oldfield High School in Maryland graduiert.

1948-1949
Sie beginnt eine Karriere als Mannequin. Fotos von ihr erscheinen in Vogue, Harper’s Bazaar und auf dem Umschlag des Life Magazine. Sie ist erst 18, als sie mit Harry Matthews, der ein Jahr  älter ist, von zu Hause ausreist. Am 6. Juni 1949 werden sie von einem New Yorker Richter verheiratet.

1950
Aufgrund des beharrlichen Drängens ihrer Mutter heiraten Niki und Harry in der French Church in New York kirchlich. Einige wenige Monate später ziehen sie nach Cambridge, Massachusetts um, wo Harry an der Harvard University Musik studiert; indessen malt Niki ihre ersten Ölbilder und Gouachen.

1951
Am 23. April wird Tochter Laura in Boston geboren.

1952
Niki, Harry und Laura verlassen Mssachusetts und ziehen nach Paris. Harry Matthews träumt davon, Dirigent zu werden und setzt sein Studium an der Ecole Normale de Musique fort. Niki schreibt sich in die Schauspielschule ein, und beide achten sorgfältig auf ihre Tochter. In den Sommermonaten bereist die Familie den französischen Süden, auch Spanien und Italien, und besucht jedes Kunstmuseum und jede Kathedrale auf dem Weg. Das Erfassen, daß die Erbauer von Kathedralen eine kollektives gesellschaftliches Ideal besser in die Wirklichkeit umsetzen können als es ein Bauwerk eines Meisterarchitekten dies kann, beeindruckt Niki zu dieser Zeit sehr. Es wird sie inspirieren und ihre spätere Arbeit beeinflussen.

1953
Niki erleidet einen schweren Nervenzusammenbruch und wird in einer psychiatrischen Klinik in Nizza versorgt. Sie findet heraus, daß die Malerei dem Heilungsprozeß zuträglich ist und beschließt, die Schauspielerei aufzugeben und bildende Künstlerin zu werden. In dieser Zeit gibt Harry Matthews sein Musikstudium auf und nimmt sich vor, seinen ersten Roman zu schreiben.

1954
Im März kehrt die junge Familie nach Paris zurück und teilt sich ein Haus mit Anthony Bonner, dem amerikanischen Jazzmusiker und Komponisten. Niki wird mit dem amerikanischen Maler Hugh Weiss bekannt, der in den nächsten fünf Jahren ihr Mentor wird und sie in der Entwicklung ihres autodidaktischen Stiles bestärkt. Im September ziehen Niki, Harry und Laura nach Deya auf Mallorca vor der spanischen Küste um.

1955
Am 1. Mai wird Sohn Philip geboren. Niki besucht Madrid und Barcelona, wo sie das Werk von Gaudi studiert. Diese Reisen, besonders jene zum Güell Park, machen aus ihr einen neuen künstlerischen Menschen: Sie geben ihr die Inspiration, eines Tages ihren eigenen Skulpturengarten zu schaffen.

1956-1958
Die Familie verbringt mehrere Monate in Lans-en-Vercors in den französischen Alpen. Niki schafft eine Serie in Öl und stellt im April 1956 das erste Mal in St. Gallen aus. Im August kehrt die Familie nach Paris zurück und bezieht ein kleines Appartement in der Rue Alfred-Durand-Claye. Harry und Niki besuchen den Louvre und andere Pariser Museen. Niki entdeckt Klee,  Matisse, Picasso und Henri Rousseau. Durch Harry, der seine literarische Karriere weitertreibt, kommt Niki mit  zeitgenössischen Autoren zusammen, unter anderen mit John Ashbery und Kenneth Koch.
1956 trifft Niki den Künstler Jean Tinguely und seine Frau Eva Aeppli. Später, als sie an ihrer ersten Skulptur arbeitet, verfertigt Jean Tinguely eine Eisenkonstruktion, die sie mit einer Mörtelbedeckung versieht.
Niki besucht den Palais Ideal des Joseph Ferdinand Cheval in der französischen Stadt Hauterives.

1959
Niki entdeckt im Museum der Modernen Künste der Stadt Paris für sich die amerikanischen Künstler Jasper Johns, Willem de Kooning, Jackson Pollock und Robert Rauschenberg.

1960
Niki und Harry trennen sich. Er zieht mit den Kindern in eine andere Wohnung, sie bleibt in der Rue Alfred-Durand-Claye. Sie führt ihre künstlerischen Experimente weiter und fertigt Assemblagen in Mörtel und „Target Pictures“ („Zielscheiben“). Am Ende des Jahres ziehen sie und Jean Tinguely nach Impasse Ronsin um, wo sie sich, umgeben von anderen Künstlern, ein Studio teilen. Jean Tinguely macht sie mit Pontus Hulten bekannt, dem Direktor des Moderna Museet in Stockholm. Hulten wird sie während der nächsten Jahre an mehreren wichtigen Ausstellungen zu Beteiligungen einladen und einige ihrer Arbeiten für das Moderna Museet ankaufen. Er wird in aller Zukunft ihre Arbeit leidenschaftlich unterstützen.

1961
Im Februar nimmt Niki an einer Gruppenausstellung am Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris teil, die mit „Comparaison: Peinture-Sculpture“ betitelt ist. Dort präsentiert sie das „Portrait of My Lover“, eine Montage, an deren Spitze eine Zielscheibe angebracht ist.
Am 12. Februar organisiert sie die erste von mehr als zwölf  „Shooting Sessions“, die zwischen 1961 und 1963 ausgetragen werden. Dafür setzt sie eine Ansammlung verschiedener Gerüste ein, die zusammen genagelt, mit Maschendraht geformt und mit Mörtel umhüllt sind.  In diesen Objekten sind farbgefüllte Behälter verborgen, die ihren Inhalt, wenn sie von einem Projektil getroffen werden, über das Kunstwerk verspritzen. Das Ergebnis dieser Sessions ist als „Shooting Paintings“ bekannt geworden.
Unter den Besuchern der ersten Veranstaltung sind verschiedene Mitglieder der Strömung des Neuen Realismus. Dessen „Fahnenträger“ und Wortführer Pierre Restany ist so begeistert, dass er Niki sofort in die bis dahin ausschließlich aus Männern bestehende Gruppe einlädt; die Mitglieder sind Arman, César, Christo, Gérard Deschamps, François Dufrêne, Raymond Raysse, Mimmo Rotella, Daniel Spoerri, Jean Tinguely und Jacques Villeglé.
Im März nimmt Niki an der Ausstellung „Bewogen Beweging“ im Stedelijk Museum in Amsterdam teil, die von Pontus Hulten organisiert wird. Diese Ausstellung wird später im Moderna Museet in Stockholm und im Louisiana Museum in Humblebaek, Dänemark, gezeigt.
Am 20, Juni nehmen Jasper Jones, Robert Rauschenberg, Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely an dem von John Cage orchestrierten Konzert-Happening „Variations II“ in der amerikanischen Botschaft in Paris teil. Während David Tudor die Musik von John Cage auf dem Klavier intoniert, arbeiten die anderen Teilnehmer auf der Bühne an ihren Kunstwerken.

Pierre Restany richtet in der Galerie J, die von seiner Frau Jeannine Goldschmidt betrieben wird, Nikis erste Soloausstellung aus; sie trägt den Titel „Feu à volonté“. Leo Castelli, Robert Rauschenberg, Jasper Johns und die ganze Gruppe der Neuen Realisten begleiten die Eröffnung am 30. Juni; die Ausstellung dauert bis zum 12. Juli. Rauschenberg kauft ein „Shooting Painting“.
Pierre Restany stellt das Festival der Neuen Realisten an der Galerie Muratore in Nizza zusammen und plant für die offizielle Eröffnung am Abend des 13. Juli ein Shooting von Niki de Saint Phalle ein. Sie führt es in der Abbaye Roseland durch; alle Mitglieder der Neuen Realisten nehmen daran teil.
Marcel Duchamp bringt Niki und Jean Tinguely mit Dali zusammen. Während einer Reise nach Spanien im August lädt Dali sie ein, für einen Stierkampf in Figueras einen „Feuerstier“ zu bauen. Niki und Jean schaffen mit Papier und Mörtel einen lebensgroßen Ritual-Stier, der mit Feuerwerk gefüllt ist. Die Tradition wahrend, gelangt der „Feuerstier“ am Ende der Veranstaltung in die Arena und beendet den Kampf mit einer Explosion und prunkvollen Farben- und Lichtgarben.
Im Oktober nimmt Niki an der Ausstellung „Die Kunst der Assemblage“ des New Yorker Museums of Modern Art teil. Die Ausstellung geht später an das Dallas Museum for Contemporary Art und an das San Francisco Museum of Art weiter. Zwischen Juni und September berichten mehr als fünfzig internationale Zeitungen und Magazine über Nikis Arbeit.
Im Herbst ziehen Larry Rivers und seine Frau Clarice in eines der Studios in Impasse Ronsin. Niki und Jean freunden sich mit dem Künstlerehepaar bald an.

1962
Im Februar reisen Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely nach Kalifornien und besuchen Simon Rodias Watts Tower in der Nähe von Los Angeles. Eine CBS-TV-Crew filmt das Happening von Jean Tinguely „Studien für das Ende der Welt. Nr. 2“ in der Wüste von Nevada; Niki arbeitet als Assistentin der Crew. Nach der Rückkehr nach Los Angeles inszeniert sie ihre ersten beiden amerikanischen Shootings: Das eine auf Einladung und Sponsorschaft der Galeristin Virginia Dwan in deren Küstenanwesen in Malibu am 4. März und das andere mit der Assistenz von Ed Kienholz in den Hügeln oberhalb von Malibu.
Kurze Zeit danach reisen Niki und Jean nach Mexiko.
Am 4. Mai nehmen Niki, Jean und verschiedene andere Künstler, unter denen sich auch Robert Rauschenberg und Frank Stella befinden, an der Performance „The Construction of Boston“ von Kenneth Koch teil, die vom Maidman Playhouse in New York präsentiert wird und in der Merce Cunningham die Regie führt. In der Performance führt Niki ein Shooting einer Venus von Milo vor.

Zurückgekehrt nach Europa, präsentiert Niki in der Galerie Rive Droite in Paris Shooting Paintings und „Altäre“. Unter den Besuchern ist Alexandre Iolas, der ihr eine Show in seiner Galerie in New York für Oktober anbietet. Mit diesem Ereignis beginnt ein lang anhaltendes Verhältnis zwischen Künstler und Galerie. Iolas sollte über Jahre finanzielle Unterstützung bieten, zahlreiche Ausstellungen ihrer Arbeiten organisieren und ihr Mentor sein, und er sollte sie bei so angesehenen Surrealisten wie Victor Brauner, Max Ernst, René Magritte und Matta einführen.
Am 6. Juni starb unerwartet Yves Klein.
Vom 30. August bis zum 30. September nimmt Niki an „Dylaby“ (Dynamic Labyrinth) teil, einer großzügig angelegten Installation im Stedelijk Museum in Amsterdam, gemeinsam mit Robert Rauschenberg, Martial Raysse, Daniel Spoerri, Jean Tinguely und Per Olof Ultvedt.
Am 15. Oktober eröffnet Niki ihre erste Soloausstellung in der Alexander Iolas Gallery in New York, die bis zum 3. November gezeigt wird. Bei dieser Gelegenheit enthüllt sie ihre Hommage an „Le Facteur Cheval“, eine komplizierte Konstruktion von allerhand Materialien zu einer Shooting Galerie, auf die zu schießen das Publikum eingeladen ist; in der Ausstellung werden zehn weitere Werke präsentiert.

Portrait Niki de Saint Phalle
Portrait Niki de Saint Phalle

1963
Im Mai organisiert Virginia Dwan eine Shooting Session in ihrer Galerie in   Los Angeles. Niki nimmt einen monumentalen King Kong ins Visier. Nach dem Event wird das Objekt vom Moderna Museet Stockholm angekauft. King Kong ist nur eine unter vielen gruseligen Figuren, die Nikis Kunstwelt bevölkern. Niki und Jean Tinguely richten sich in einem ehemaligen Hotel in Soisy-sur-Ecole ein, in der Auberge du Cheval Blanc. Dort beginnt Niki ihre Arbeit an einer Serie von Skulpturen, die die gesellschaftliche Rolle der Frau versinnbildlichen: die Kindesgebärerin, die sich verzehrende Mutter, die Hexe und die Prostituierte.

1964
Niki verbringt den Sommer in Lutry bei Lausanne, wo sie an verschiedenen groß dimensionierten Köpfen aus Wolle und Papier maché arbeitet, an ihren „Bräuten“. Eine Arbeit ist betitelt mit „St. Georg und der Drache“. Im September eröffnet sie ihre erste Soloausstellung in der Londoner Hanover Gallery. Im Oktober reist sie nach New York, wo sie im Chelsea Hotel lebt und arbeitet. Während des Aufenthalts dort vervollständigt sie eine Serie von Skulpturen von Nanas, Herzen und Drachen.

1965
Inspiriert durch Clarice Rivers Schwangerschaft schafft Niki im April ihre ersten Nanas in Wolle und Kleidern. Im August erscheint im Schweizer Kunstmagazin DU ein 12-seitiger Artikel über Niki, verfaßt von Monique Jacot.
Im September präsentiert Niki ihre Nanas in einer Einzelausstellung in der Galerie Alexandre Iolas in Paris. Zugleich erscheint das erste Buch über sie, das u. a. auch einen handgeschriebenen Text der Künstlerin enthält und auch einige gezeichnete Entwürfe von Nanas.
Auf Iolas Anregung hin beginnt Niki, verschiedene handsignierte Arbeiten zu produzieren, wie z. B. Kataloge, Poster, Broschüren und Einladungs- karten.
Zu der Zeit macht sie auch ihre ersten Siebdrucke.

1966
In Zusammenarbeit mit Martial Raysse und Jean Tinguely entwirft Niki das Bühnenbild und die Kostüme für das Ballett von Roland Petit, „Eloge de la Folie“, das im März im Pariser Theater des Champs-Elysées aufgeführt wird.
Im Juni werden Niki, Jean Tinguely und Per Olof Ultvedt von Pontus Hulten, dem Kurator des Moderna Museet in Stockholm, eingeladen, eine Großdimensionierte Skulptur in des Eingangshalle seines Museums zu installieren. Die drei Künstler errichten eine monumentale ruhende Nana, die 28 Meter lang, neun Meter breit und sechs Meter hoch ist. Sie nennen sie „Hon“  (Schwedisch für „sie“).
Der junge Schweizer Künstler Rico Weber stößt dazu und beteiligt sich an der Arbeit. Damit beginnt eine lange Zeit der Zusammenarbeit, in der Rico Weber sowohl Assistent als auch Kollege gleichermaßen für Niki und Jean wird.
Im October entwirft Niki Bühnenbild und Kostüme für eine Inszenierung von Aristophanes „Lysistrata“ durch Rainer von Diez im Staatstheater Kassel in Deutschland.

1967
Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely arbeiten im Auftrag der Französischen Regierung am  „Fantastischen Paradies“, das für den französischen Pavillon auf der Expo ’67 in Montreal gedacht ist. Es besteht aus neun bemalten Skulpturen von Niki und sechs kinetischen Maschinen von Jean. Nach der Expo geht das „Fantastische Paradies“ von Montreal zuerst in die Albright-Knox Gallery in Buffalo und dann in den Central Park von New York, wo es ein ganzes Jahr lang ausgestellt wird. Danach geht es als Dauerausstellungsobjekt nach Stockholm, wo in der Nähe des Moderna Museet aufgestellt ist.
Im August bietet das Stedelijk Museum in Amsterdam Niki eine Ausstellung an, die Niki mit „Nana Power“ betitelt. Bei dieser Gelegenheit entwirft Niki ihr erstes „Nana Traumhaus“ und den „Nana Brunnen“. Sie macht Entwürfe für ihre erste  Nana-Stadt.
Die neuen Arbeiten sind aus Polyester, einem Material, das Niki nun für sich entdeckt.

1968
Im Juni geht Nikis erstes Bühnenstück – es trägt den Titel „ICH“ – über die Bühne des deutschen Staatstheaters Kassel. Die Regie führt Rainer von Diez, der auch  Co-Autor war; das Bühnenbild, die Kostüme und die Plakate entwirft Niki.
Der Kunstverein für die Rheinlande Westfalen in Düsseldorf veranstaltet eine Show mit dem Titel „Niki de Saint Phalle: Werke 1962 – 1968“, die anschließend zum Kunstverein Hannover geht.
Im Oktober präsentiert Niki ihr achtzehn Werke umfassendes Mauerrelief „Last Night I Had a Dream“ in der Galerie Alexandre Iolas in Paris. Sie entwirft aufblasbare Nanas, die in New York hergestellt und veröffentlicht werden.
Gegen Ende des Jahres erkrankt Niki an den Emissionen der Kunststoffe, mit denen sie zuletzt gearbeitet hat. Sie reist nach Marokko.

1969
Nach einer Reise nach Indien nimmt Niki ihre Arbeit an ihrem Architekturprojekt in 1:1-Größe auf: Drei Häuser im Süden Frankreichs für Rainer von Diez. Sie werden 1971 fertiggestellt sein.
Die Galerie Stangl in München präsentiert verschiedene Facetten von Nikis Arbeit; die Ausstellung trägt den Titel „Plastiken, Zeichnungen und Graphiken von Niki de Saint Phalle“.
Das New Yorker Whitney Museum of American Art ordert Nikis „Black Venus“ und macht sie im April zu einem Bestandteil einer Ausstellung mit dem Titel „Zeitgenössische amerikanische Skulptur, Auswahl 2“.
In Milly-la-Forêt beginnen die Arbeiten am Projekt „Le Cyclop“ (bekannt auch unter dem Namen „La Tête“), das Jean Tinguely initiiert hat und an dem neben Niki etliche andere Künstler mitarbeiten.

1970
Anläßlich der Eröffnung eines Festivals zum zehnjährigen Jubiläum des Neuen Realismus am 29. November in Mailand, das Pierre Restany und Guido Le Noci organisiert haben, veranstaltet Niki ein Shooting auf eine altarförmige Assemblage.
Währenddessen wird in Paris eine Serie von 17 Serigraphien von Niki publiziert; sie tragen den Titel „Nana Power“. Niki reist, begleitet von Jean Tinguely, nach Ägypten.

1971
Am 13. Juli heiraten Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely in Soisy und reisen danach nach Marokko. Am 10. August wird auf Bali Nikis erstes Enkelkind geboren, Bloum mit Namen, die Tochter von Laura und Laurent Condominas. Niki entwirft ihre ersten Schmuckstücke.
Am Ende des Jahres beginnt sie am „Golem“ zu arbeiten, an einem Architekturprojekt im Rabinovitch Park in Jerusalem, das für Kinder gedacht ist. Es wird im folgenden Jahr fertig werden.

1972
In diesem Jahr beginnt Niki die Zusammenarbeit mit Robert Haligon, in deren Verlauf viele ihrer großen Skulpturen und Editions entstehen sollten. Die langjährige Zusammenarbeit wird später von Haligons Sohn Gérard fortgesetzt.
Im Juli mietet sie das Château-de-Mons bei Grasse im Süden von Frankreich, wo die erste Version des Films „Daddy“ entsteht. Drehbuch und Produktion entstehen in Zusammenarbeit mit Peter Whitehead, der Film hat seine Uraufführung später im Hammer Cinema in London.
Zugleich zeigt die Galerie Bonnier in Genf Nikis frühe Arbeiten in einer Ausstellung mit dem Titel „Niki de Saint Phalle – Niki avant les Nanas“. Niki bereist Griechenland.

1973
Im Januar produziert Niki eine überarbeitete Fassung des Films „Daddy“, in Soisy und in New York werden neue Aufnahmen gemacht. Die neue Fassung beinhaltet zusätzlich Clarice Rivers, Rainer von Diez und Mia Martin und hat ihre Premiere im April im Lincoln Center als Teil des 11. New York Film Festivals.
Niki arbeitet an der Programmgestaltung dieses Festivals mit. Niki entwirft einen Swimming pool für Georges Plouvier in St. Tropez.
In der belgischen Stadt Knokke-le-Zoute baut sie „Le Dragon“, ein Spielhaus für die Kinder von Fabienne und Roger Nellens.

1974
Niki installiert drei gigantische Nanas in Hannover. Zu Ehren der drei Königinnen, die die Stadt hatte, bekommen sie die Namen Caroline, Charlotte und Sophie.
In Paris zeigt die Galerie Alexandre Iolas eine Ausstellung von Nikis Architekturmodellen.
Wenige Monate später präsentiert die Galerie Dr. Ernst Hauswedell in Baden-Baden einen Querschnitt von Nikis Arbeiten unter dem Titel „Niki de Saint Phalle: Skulpturen, Zeichnungen, Graphik, Ballon-Nanas“.
Ein Lungenleiden macht ihr zu schaffen, das von der langjährigen Arbeit mit Polyester herrührt. Sie muss sich zuerst in ein Krankenhaus und dann in eine Rekonvaleszenz-Zeit zurückziehen. Nach einigen Wochen in Arizona reist sie nach St. Moritz in der Schweiz, wo sie Marella Agnelli wiedertrifft, mit der sie schon seit ihren New Yorker 50er Jahren befreundet ist. Niki erzählt Marella ihren Traum von der Schaffung eines Skulpturengartens, woraufhin Marella und deren Brüder Carlo und Nicola Carracciolo ihr in der Toskana ein Stück Land zur Verfügung stellen, wo sie diesen ihren Traum verwirklichen wird.

Portrait Niki de Saint Phalle
Portrait Niki de Saint Phalle

1975
Niki schreibt das Drehbuch für den Film „Un rêve plus long que la nuit“. In die Dreharbeiten sind viele ihrer Freunde involviert, sie entwirft die Ausstattung für die Drehorte. Anlässlich des „Festival Europalia France 1975“ im Palais des Beaux-Arts in Brüssel wird dessen Fassade mit den Stücken geschmückt, die im Film verwendet wurden.

1976
Niki verbringt das ganze Jahr in den Schweizer Alpen, wo sie ihren zukünftigen Skulpturengarten entwirft. Das Museum Boymans van Beunigen in Rotterdam zeigt eine Ausstellung von Nikis Architekturprojekten unter dem Titel „Beelden, modellen en maquettes van Niki de Saint Phalle“. Im Nordjyllands Kunstmuseum in Aalborg, Dänemark, wird die Ausstellung „Niki de Saint Phalle Sculpturer“ gezeigt, und die Galerie Bonnier in Genf zeigt die Show „Niki de Saint Phalle: Œuvres récentes“.

1977
Zusammen mit Constantin Mulgrave entwirft Niki das Bühnenbild für den Film „The Traveling Companion“, der auf einer Erzählung von Hans Christian Andersen basiert, jedoch wird der Film nie vollendet. Sie bereist Mexiko und New Mexiko. Ricardo Menon wird ihr Assistent – er wird es die nächsten zehn Jahre bleiben.

1978
Niki beginnt, auf dem Besitz der Brüder Carracciolo in der Kleinstadt Garavicchio in der Toskana ihren „Giardino dei Tarocchi“ zu gestalten. Sie ist fasziniert von den Figuren und Gestalten der Tarot-Karten und entwirft ihre zwanzig monumentalen Skulpturen als persönliche Interpretation dieser Vorbilder.

1979
Die meiste Zeit des Jahres verbringt Niki in der Toskana, um an ihrem Tarot-Garten zu arbeiten.
Im März hat sie ihre erste Show in Japan, in der Tokyo Watary Gallery.
Währenddessen zeigt in New York die Galerie Gimpel and Weitzenhoffer in einer Ausstellung Architekturmodelle und Photographien von Projekten Nikis. Die Ausstellung reist unter dem Titel „Monumental Projects“ zu vier weiteren US-amerikanischen Museen.
Sie entwirft eine Serie von neuen Skulpturen, die sie „Skinnies“ betitelt.

1980
Im April beginnt Niki mit der Arbeit an den beiden ersten Figuren des Tarot-Gartens, dem „Magier“ und der „Hohepriesterin“.
Auf dem Universitätscampus von Ulm in Deutschland wird ihre Skulptur „Der Dichter und seine Muse“ enthüllt; bei dieser Gelegenheit wird die Ausstellung ihres graphischen Werks eröffnet, die in der Universitätsgalerie von Mai bis Juli hängt.
Am 2. Juli eröffnet das Centre Georges Pompidou in Paris eine Retrospektive auf Nikis Werk, am Tag darauf aber erleidet Niki ihren ersten Anfall rheumatischer Arthritis. Die Retrospektive geht von Paris aus durch verschiedene europäische Museen wie z. B. das Wilhelm Lehmbruck Museum in Duisburg oder das Kunstmuseum in Hannover.
Yoko Masuda eröffnet in Tokyo das „Space Niki“ mit der ersten einer Reihe von Ausstellungen, die dem Werk Nikis gewidmet sind.
Niki stellt ihre ersten Polyester-Schlangensessel, -Vasen und -Lampen her.

1981
Niki mietet ein kleines Haus in der Nähe des Tarot-Gartens. Sie beschäftigt eine Reihe von jungen Leuten aus Garavicchio, die ihr helfen, den Tarot-Garten zu bauen. Unter den Schweißarbeiten von Jean Tinguely und seinem „All Star Swiss Team“, zu welchem auch Seppi Imhoff und Rico Weber gehören, nimmt der Tarot-Garten allmählich Gestalt an.
Im Frühling malt sie die äußeren Formen einer neuen zweimotorigen Flugmaschine, der Piper Aerostar 602P, die am ersten Transatlantik-Wettbewerb teilnimmt, das von der Peter-Stuyvesant-Foundation in Amsterdam gesponsert wird.

1982
Das amerikanische Unternehmen Jacqueline Cochran lädt Niki ein, ein neues Parfum zu kreieren. Mit dem Erlös finanziert sie die Weiterarbeit am Tarot-Garten. Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle arbeiten gemeinsam an einer fünfzehn Teile umfassenden Brunnenskulptur für den Place Igor Stravinsky, der dem Centre Georges Pompidou in Paris benachbart ist. Ihr Assistent ist Pierre Marie Lejeune, damals einer der engsten Mitarbeiter Nikis.
Die Galerien Gimpel and Weitzenhoffer in New York und Gimpel Fils in London stellen Nikis „Skinnies“ aus. Die Arbeit am Tarot-Garten schreitet voran. In der Nachfolge von Jean Tinguely baut der holländische Künstler Doc Winsen an den Metallrahmen der Tarot-Figuren weiter. Gegen Ende des Jahres wird der Zement aufgetragen.

1983
Die Stuart Collection gibt eine Skulptur für den Campus der University of California in San Diego in Auftrag, den „Sonnengott“. Niki zieht in die „Kaiserin“ des  Tarot-Gartens und nutzt dieses Haus, das der Gestalt einer Sphinx nachempfunden ist, während der folgenden sieben Jahre als Wohnung und Atelier.
Sie beschließt, für die Tarot-Skulpturen Keramik, Spiegel und Glas zu verwenden. Ricardo Menon entdeckt die römische Keramik-Lehrerin Venera Finocchiaro, die von jetzt an alle Keramikarbeiten für den Tarot-Garten fertigt.

1984
Niki widmet das ganze Jahr ausschließlich dem Tarot-Garten.

1985
Der „Magier“, der „Turm“, die „Kaiserin“ und die „Hohepriesterin“ des Tarot-Gartens werden fertig. Jean Tinguely baut eine seiner „Maschinen“, die an der Spitze des „Turms von Babel“ angebracht wird. Das Kasino Knokke in Knokke-le-Zoute in Belgien veranstaltet eine Niki de Saint Phalle-Ausstellung.

1986
Wieder verbringt Niki die meiste Zeit des Jahres in Garavicchio. Sie installiert neue Skulpturen im Tarot-Garten.
Gemeinsam mit Professor Silvio Barandun illustriert sie das Buch „AIDS: You can’t catch it holding hands“ („AIDS – Vom Händchenhalten kriegt man’s nicht“). Es erscheint in Englisch bei Lapis Press (Eigentümer ist der Künstler Sam Francis) und wird in fünf weitere Sprachen übersetzt. Die Gesamtauflage von 70.000 Exemplaren wird an medizinische Institutionen und Schulen kostenlos abgegeben oder verkauft.
Ricardo Menon verläßt den Tarot-Garden und geht nach Paris zurück, wo er für eine Schauspielschule arbeitet. Er bringt Marcelo Zitelli, einen Schauspielschüler, mit Niki zusammen, die ihn zuerst als Gärtner beschäftigt, sehr bald aber als Assistenten einstellt.

Portrait Niki de Saint Phalle
Portrait Niki de Saint Phalle

1987
Im März eröffnet die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München die große Ausstellung „Niki de Saint Phalle: Bilder – Figuren – Phantastische Gärten“.
Die Galerie Bonnier in Genf präsentiert die Ausstellung „Œuvres récentes“.
Das Nassau County Museum of Fine Arts in Roslyn, Long Island, veranstaltet Nikis erste amerikanische Retrospektive unter dem Titel „Fantastic Visions: Arbeiten von Niki de Saint Phalle“.

1988
Niki und Jean Tinguely werden vom französischen Präsidenten François Mitterrand beauftragt, für die Stadt Chateau-Chinon, in welcher der französische Präsident viele Jahre Bürgermeister gewesen war, einen Brunnen zu entwerfen. Die Skulptur steht vor der Stadthalle, Mitterrand enthüllt sie am 10. März.
Helen Schneider beauftragt Niki, für das Schneider Children’s Hospital auf Long Island einen Brunnen zu gestalten, sie macht einen fünfeinhalb Meter hohen „Schlangenbaum“. Weiters macht sie einen riesigen Drachen, den sie „L’Oiseau amoureux“ („Verliebter Vogel“) tauft. Dieser Drache geht auf eine Weltreise, die dem Thema Drachen gewidmet ist und die vom Goethe-Institut in Japan organisiert wird.

1989
In Paris werden frühere Werke aus der Zusammenarbeit mit Jean Tinguely unter dem Titel „Das Werk der 80er Jahre“ ausgestellt, und zwar gleichzeitig von der Galerie JGM und der Galerie de France. Das Palais Bénédictine in Fécamp in Frankreich präsentiert eine Ausstellung, die Nikis Tarot-Garten gewidmet ist; Texte von Pontus Hulten, Pierre Restany und Jean Tinguely begleiten die Schau. Niki benutzt erstmals Bronze und schafft damit eine Serie von ägyptischen Göttern und Göttinnen. Ricardo Menon, ihr langjähriger Assistent, stirbt an Aids.

1990
Im Juni präsentiert Niki ihre Arbeiten der 60er Jahre in Paris, zugleich in der Galerie de France und in der Galerie JGM und beide unter dem Titel „Tirs … et autres révoltes, 1961 – 1964“. Gemeinsam mit ihrem Sohn Philip Mathews produziert Niki den Zeichentrickfilm „AIDS: You can’t catch it holding hands“, basierend auf ihrem gleichnamigen Buch. Im November wird der Film im Pariser Musée des Arts Décoratifs präsentiert. Das Museum veranstaltet zugleich eine Ausstellung von Zeichnungen, die für den Film und für die Neufassung des Buches gemacht worden sind. „Sida, tu ne l’attraperas pas“, die neue Version des Buches, wird von der Agence Française de Lutte contre le Sida herausgegeben und in ganz Frankreich an Schulkinder verteilt.

1991
Niki stellt ein vergrößertes Modell (1:4) ihres „Temple Idéal“ her, das „Eine Kirche für alle Religionen“ sein soll. Die Idee dazu hat sie 1972 ein erstes Mal gehabt. Die französische Stadt Nîmes beauftragt Niki, die die „Kirche“ als architekturisches Projeckt zu bauen. Wegen politischen Unstimmigkeiten wird das Projekt nie realisiert.
Im Juni veranstaltet die Gimpel Fils Gallery in London die Ausstellung „Gods“, eine Serie von Skulpturen, zu der sie von indianischen, mesopotamischen und ägyptischen Gottheiten inspiriert worden ist. Im August stirbt Jean Tinguely in Bern an einem Hirnschlag.
Niki baut ihre erste kinetische Skulptur und tauft sie „Méta-Tinguely“. Paul Sacher schlägt vor, in Basel ein Jean Tinguely-Museum einzurichten.

1992-1993
Pontus Hulten organisiert unter der Schirmherrschaft der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn eine große Niki de Saint Phalle-Retrospektive. Diese Retrospektive geht anschließend, jeweils ein wenig modifiziert, an die McLellan Galleries in Glasgow, an das Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, und an das Musée d’Art et d’Histoire in Fribourg in der Schweiz. Niki stellt eine Serie von kinetischen Reliefs oder beweglichen Bildern her, die sie „Tableaux Eclatés“ nennt. Der große Brunnen mit dem Namen „Lebensretter“, den die Stadt Duisburg in Auftrag gegeben hat, ist installiert. Niki schafft die Skulptur „Les Footballeurs“ für das Olympische Museum in Lausanne, Schweiz.

1994
Niki zieht nach San Diego, Kalifornien, wo für die nächsten acht Jahre lebt und arbeitet.
Nach ihrer Ankunft fertigt sie Serien von Siebdrucken unter dem Titel „Californian Diary“, Ebi Kornfeld verlegt sie.
Niki nimmt die Arbeit mit zwei früheren Kollegen von Sam Francis auf, mit dem Lithographen und Maler George Page und mit Samuel Jacob, einem Radierer und Aquatinta-Künstler. Mit George Page stellt sie in den Folgejahren 26 Lithographien her, mit Samuel Jacob dreizehn. Ebi Kornfeld gibt diese Werke heraus. Niki beauftragt Lech Juretko, einen polnischen Einwanderer, ein Studio einzurichten, mit dem Ziel, Spiegel, Glas und Steine schneiden zu können, was sie für ihre Skulpturen anstelle von Farben in zunehmendem Maß benötigt und das für die Fühl-Erfahrungen des Publikums wichtig ist. Um diese Arbeit sorgfältig durchführen zu können, engagiert Lech sechs Leute, die die Arbeiten an Nikis großformatigen Projekten ausführen.
Im Oktober wird in Nasu, Japan, das „Niki Museum“ eröffnet, das von Yoko Masuda geleitet wird und dem Leben und der Arbeit von Niki de Saint Phalle gewidmet ist.
Sie geht eine Zusammenarbeit mit Mario Botta für ein großformatiges  Skulptur-Architektur-Projekt ein, das von der Jerusalem Foundation in Auftrag gegeben worden ist und „Arche Noah“ heißen soll.
Für die Schweizer Post entwirft Niki eine Briefmarke mit der Botschaft „Stop Aids / Stop Sida“.
Niki wird mit dem Kunstpreis „Caran d’Ache“ ausgezeichnet.

1995
Peter Schamoni beendet seine Arbeiten an dem Dokumentarfilm über Nikis Leben, der „Who ist the Monster? You or Me?“ heißt.
Die französische Kulturorganisation AFAA (Association Française d’Action Artistique) organisiert eine Wanderausstellung durch eine Reihe von großen Museen von Zentral- und Südamerika, u.a. im Museo Rufino Tamayo in Mexiko, im Museo de Arte Contemporaneo de Caracas in Venezuela, im Museo de Arte Moderno in Bogota in Kolumbien, die Pinacoteca do Estado in Sao Paulo in Brasilien und im Museo Nacional de Bellas Artes in Buenos Aires, Argentinien.

1996
In privatem Auftrag nimmt Niki die Arbeiten an „Gila“ auf, einem Kinder-Spielhaus in Form eines Drachens mit den Maßen 3,63 Meter Höhe und 9,09 Meter Länge. Es ist bedeckt mit einem Mosaik aus Spiegeln, Steinen, Keramiken und Glas und steht in San Diego. Bei der Konstruktion von „Gila“ kommt Computer-aided Design zum Einsatz, der für dieses und für die nachfolgenden großformatigen Projekte Nikis zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dieses neue Arbeitsverfahren ist nur einer von mehreren technischen Fortschritten, die Niki nach ihrer Rückkehr nach Kalifornien für ihre Arbeit entwickelt und anwendet.
In der Zwischenzeit hat der Architekt Mario Botta das Jean Tinguely Museum in Basel erbaut, es wird mit 55 von Niki gestifteten Skulpturen und mehr als hundert graphische Arbeiten von Jean eröffnet: Grundstock der Sammlung.
Mehrere andere gemeinsame Arbeiten stellt sie zur Errichtung von „L’Espace, Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle“ in Fribourg, Schweiz, zur Verfügung.

1997
Die Schweizer Eisenbahngesellschaft beauftragt Niki mit der Errichtung einer zehn Meter hohen Skulptur für den Züricher Hauptbahnhof. Dieser „Schutzengel“ wird im November enthüllt.
Mario Botta baut im Tarot-Garten eine Einfahrt und die angrenzenden Mauern. Niki entwirft neue „Schlangenstühle“ aus Holz mit Mosaik-Einlagen, die von Del Cover und Dave Carr hergestellt werden.

1998
Am 15. Mai wird der Tarot-Garten offiziell eröffnet. Niki komplettiert die letzten der zweiundzwanzig großen Tierskulpturen, die für den Spielplatz „Arche Noah“ in Jerusalem bestimmt sind. Bei dieser Arbeit wird sie, wie bei vielen anderen seit den frühen 80ern, von Marcelo Zitelli unterstützt.
Sie entwirft eine Skulpturenserie mit dem Titel „Black Heroes“, die Hommagen an verschiedene prominente afro-amerikanische Persönlichkeiten sind, wie Miles Davis, Louis Armstrong und Josephine Baker. Die Serie ist ihren größeren, gemischtrassigen Enkelkindern gewidmet.
Das Mingei International Museum in San Diego veranstaltet die größte amerikanische Retrospektive, die je zu Nikis Arbeit gemacht worden ist. Ihre Freundin Martha Longnecker organisiert sie.
Sie schreibt den ersten Band ihrer Autobiographie mit dem Titel „Traces“.

Portrait Niki de Saint Phalle
Portrait Niki de Saint Phalle

1999-2000
Niki beginnt mit der Suche nach einem Landstück, um einen neuen Skulpturengarten im Landkreis San Diego zu bauen. Im Oktober 2000 nimmt die Stadt Escondido Niki’s Angebot an, einen Garten im Sankey Arboretum im Kit Carson Park zu gestalten. Niki beginnt mit der Arbeit und entwirft „Queen Califia’s Magical Circle“ („Königin Kalifias Magischer Kreis“). Sie wird dabei am meisten von Früh-Kalifornischer Geschichte, Mythen und Legenden inspiriert, weiterhin von der Indianischen und Meso-Amerikanischen Kultur und von natürlichen Pflanzen und Tieren der Region.
Das Ulmer Museum veranstaltet eine Retrospektive; sie hat den Titel „Niki de Saint Phalle – Liebe, Protest, Fantasie“. Diese Ausstellung geht anschließend in das Wilhelm Hack-Museum in Ludwigshafen. Eine weitere Ausstellung findet statt im „L’Espace, Jean Tinguely – Niki de Saint Phalle“ in Fribourg, Schweiz.
Im Oktober 2000 wird Niki mit dem Praemium Imperiale ausgezeichnet, der als Nobelpreis der Kunstwelt eingeschätzt wird. Mit ihr zugleich werden ausgezeichnet der amerikanische Komponist und Lyriker Stephen Sondheim, der amerikanische Maler Ellsworth Kelly, der deutsche Komponist Hans Werner Henze und der britische Architekt Richard Rogers.
Niki stellt nun auch in den Tasende Galleries in San Diego und Los Angeles aus.
Im November 2000 wird die Stiftung enthüllt, die Niki de Saint Phalle dem Sprengel Museum in Hannover übergeben hat : Sie umfasst mehr als 300 Arbeiten auf Papier und 60 Skulpturen.
Niki macht eine neue  Vasen-Serie.

2001
Niki nimmt den Auftrag an, die drei Räume der historischen Grotte des 17. Jahrhunderts in den Herrenhäuser Gärten Hannover auszugestalten. Die Grotte war vorher mit Muscheln. Kristallen und Mineralien verziert, die im 18. Jahrhundert entfern wurden.
Niki gibt der französischen Stadt Nizza viele ihrer frühren Werke für das dortige Moderne Kunstmuseum (MAMAC) und auch einige ihrer Skulpturen und Vasen an das Museum Dekorativer Kunst in Paris.
Sie entwift und erbaut eine 12-Meter-hohe Skulptur „Coming Together“ („Zusammenkommen“) im Auftrag des Hafen in San Diego. Die Skulptur zeigt ein Gesicht, halb Mann, halb Frau, dennoch vereint, welches mit Mosaik und Steinen verziert ist. Die Skulptur wird im Oktober eingeweiht.
Niki vollendet den zweiten Teil ihrer Biographie „Harry und Ich. Die Familienjahre“

2002
Niki de Saint Phalle stirbt im Alter von 71 Jahren am 21 Mai in La Jolla, Kalifornien.

Ihre Enkelin Bloum Cardenas, Assistent Marcelo Zitelli und technischer Berater Lech Juretko, sowie viele andere Mitarbeiter ihres internationalen Teams in Europa vollenden die Arbeiten in Escondido und Hannover nach Nikis detailierten Anweisungen.
Die Ausstellung, „Von Niki Mathews zu Niki de Saint Phalle“ eröffnet im Sprengel Museum Hannover.

2003
Die vollendete „Grotte“ eröffnet im März. Sie ist mit Glass- und Spiegelmosaik, Steinchen und auch einigen bemalten Polyesterskulpturen dekoriert.
Im Sommer zeigt der Palais Royal in Paris eine Ausstellung Nikis monumentalen Skulpturen.
„Queen Califia’s Magical Circle“ wird am 26. Oktober eingeweiht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies ist Niki’s erster Amerikanischer Skulpturengarten und zugleich das letzte Großprojekt der Künstlerin.

Die gemeinnützige Stiftung „Niki Charitable Art Foundation“ wird aus Nikis Vermächtnis gegründet.