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WILLKOMMEN


1993 war ich das erste Mal in diesem wunderschönen Garten in der Toscana. Damals war er noch nicht in dem Zustand in dem er heute ist, aber nicht weniger interessant.
Gerade das Unfertige, das Improvisierte nicht so Glatte hat mir damals sehr gut gefallen. In regelmäßigen Abständen besuchte ich dann den Garten immer wieder.
Inzwischen ist er fertig und Niki de Saint Phalle leider schon eine Weile tot. Aber sie hat uns mit diesem Garten ein wunderschönes Geschenk hinterlassen.
Frank Damerius

Stellvertretend für alles, was wir als Besucher des Gartens sagen könnten, lassen wir hier Niki de St. Phalle selbst zu Wort kommen:

„Im Jahre 1955 reiste ich mit meinem Mann, Harry Mathews, nach Barcelona. Als ich dort den herrlichen Parc Güell von Gaudí besuchte, begegnete ich meinem Lehrmeister und zugleich meinem Schicksal. Ich erbebte. Ich wusste, dass auch ich eines Tages einen Vergnügungspark bauen würde. Eine kleine Paradiesecke. Eine Begegnung zwischen Mensch und Natur. 24 Jahre später begann ich das größte Abenteuer meines Lebens: der Tarot-Garten. Er entstand in der Toscana auf einem Grundstück meiner Freunde Marella Agnelli und Carlo und Nicola Caracciolo. Sie gaben ihr Einverständnis zum ursprünglichen Modell, das sich jedoch in der Folge ständig ändern sollte. Der Garten wurde viel größer als ich anfangs vorhatte. Es gab keinen Zeitzwang, und ich arbeitete in völliger Freiheit. Um den Garten zu finanzieren, kreierte ich ein Parfüm und schuf Multiples. Gleich nach dem Beginn der Arbeit wurde mir klar, dass das Unternehmen ein gefährliche Abenteuer werden würde, und dass ich auf meinem Weg eine Menge Prüfungen zu bestehen hätte. Ganz zu Beginn der Arbeit litt ich an rheumatischer Arthritis. Ich konnte kaum laufen oder meine Hände bewegen, doch ich arbeitete unter Schmerzen weiter. Nichts konnte mich aufhalten. Ich war wie besessen. Ich fühlte, dass der Bau dieses Gartens mein Schicksal sein würde, wie groß auch die Schwierigkeiten wären.
In der Spielkarte der Kaiserin richtete ich meine Wohnung ein. Ich lebte und schlief im Inneren der Mutter. Die Kaiserin wurde zum Zentrum des Gartens. Sie war der Ort, wo ich mit der Arbeitsequipe zusammentraf, wo wir gemeinsam Kaffe tranken, wo ich aß und die Modelle für die anderen Karten schuf. Ich lebte allein in der Sphinx; das ist der Übername, den wir der Kaiserin gaben. Die völlige Hingabe an die Arbeit war die einzig mögliche Weise, den Garten zu bauen. Der Tarot-Garten ist nicht nur mein Werk, sondern auch der Garten all jener, die mir bei seinem Bau behilflich waren.
Als Architektin des Gartens habe ich meine Vision durchgesetzt, ich konnte nicht anders. Der Bau war mit großen Schwierigkeiten verbunden; es brauchte viel Liebe, wilde Begeisterung, Besessenheit und vor allem Glauben. Nichts hätte mich aufhalten können. Es war wie im Zaubermärchen: Bevor der Schatz gefunden wird, begegnet man Drachen, Hexen , Magiern und dem Engel der Mäßigkeit.“

Magie und Farben: Der Giardino dei Tarocchi von Niki de Saint Phalle

Magisches Licht liegt über den Hügeln der Maremma. Silbrig glänzen die Olivenhaine. Die laue Luft duftet nach würzigen Kräutern. Hier ist das sagenumwobene Land der Etrusker, seit Menschengedenken begegneten sich hier Natur und Magie. Plötzlich erheben sich mitten aus der Stille der Landschaft riesige, bunt glitzernde bizarre Gebilde: die mystischen Figuren des Tarotgartens der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle.

Der Garten liegt an den Hängen der Maremma mit schönem Blick auf das entfernte tyrrhenische Meer. Mitten in einem lichten Wäldchen stehen die einzigartigen Skulpturen. Der Dialog zwischen Skulptur und Natur fasziniert und lädt den Betrachter zum träumen ein. Die Figuren, Installationen und Brunnen sind in bunten Farben gehalten und reflektieren in der Sonne das Licht. Sie stellen die Interpretation des Tarots durch die Künstlerin dar. Die einzelnen Motive wie Magier, Eremit, Turm, Stern, Tod oder Gehenkter erinnern an Fabelwesen. Über dem Ensemble thront die „Sphinx“ genannte Herrscherin, die ganz im typischen Stil der Künstlerin riesige Brüste hat und ihr während der Bauphase als Wohnung und Besprechungsort diente. Der Stoff aus dem die Träume sind ist hier Beton, Polyester,

Metall oder Plastik, die als Trägerstoffe dienen. Die bunten, reflektierenden Oberflächen sind in Mosaiktechnik mit Fliesen- und Spiegelscherben liebevoll gestaltet.

Auch ohne Kenntnis der Tarot-Karten fasziniert der Spaziergang durch den Skulpturengarten. Die unzähligen liebevollen und fantasiereichen Details, die poppigen Farben der Gebilde und ihre Einbettung in die Landschaft sind sehr beeindruckend. Hunderttausendfach reflektieren die Spiegel Fragmente der Natur, ein Ohr unter der Nase, ein Lächeln im Bauch. Es ist, als ob man ein Märchen beträte: Die dezente, komplizierte Magie und die orientalische Atmosphäre des Gartens schenken Kindern und Erwachsenen zahlreiche Tagträume. Niki de Saint Phalle hat hier ein wunderbares Pop-Art-Gesamtkunstwerk geschaffen.

Wer meint, dass die wunderschönen Figuren inzwischen etwas verwittert sein müssten, der täuscht sich. Alles ist in einem hervorragenden Zustand und glitzert und glänzt. Einzelne der begehbaren Figuren haben Treppen zu kleinen Aussichtspodesten mit Blick auf die Zauberwelt. Die „Spinx“ ist mit einer kleinen Küche, Dusche und WC ausgestattet. Und der schöne, glitzernde Wohnraum ist so groß, dass die Künstlerin hier ohne weiteres mehrere Gäste empfangen konnte.

Niki de Saint Phalle, 1930 in Paris geboren, war eine sozial engagierte Künstlerin und lebte bis zu ihrem Tod am 21.05.2002 in San Diego, Kalifornien. Mitte der 60er hatte die Künstlerin mit ihrer poetischen Suche rundum die Weiblichkeit begonnen, mit runden Formen und fröhlichen Farben. Hierin zeigte sich ihre Freude über die wieder gewonnene Freiheit nach der Scheidung von ihrem ersten Mann. Auch ihren Tarotgarten kann als einziges großes Monument für die Freiheit ansehen, der Unterschied zwischen Mann und Frau verschwindet und die weichen Formen der „Arcani maggiori“ werden von den schwarzen „unnützen Mechanismen“ von Jean Tinguely vervollständigt. Jean Tinguely, ihr 1991 verstorbener zweiter Lebensgefährte, und zahlreiche Helferinnen und Helfer unterstützen Niki de Saint Phalle bei der Umsetzung ihrer Ideen im Giardino di Tarot. Nachdem sie zunächst 22 Bildsymbole zu den Tarotkarten skizzierte, begann sie im April 1980 in einem kleinen Steinbruch in südlicher Lage zum Meer die Arbeit an den ersten Skulpturen für den Tarotgarten, Magier und Hohepriesterin. Manche Elemente wurden zu teils großen und bewohnbaren Häusern, andere zu großen Skulpturen, die im Garten vereinzelt angeordnet sind. Auf den umliegenden Bauernhöfen wurden Hilfskräfte angeheuert, die an dem Projekt mitarbeiteten.

1982 kreierte Niki de Saint Phalle ein Parfum, aus dessen Einnahmen sie den Tarotgarten finanzierte.

Im Mai 1998 wurde der Garten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zuvor mussten Interessierte immer erst vor Ort anfragen. Langsam beginnt die Besucherlawine zu rollen, die wachsende Anzahl von Reisebussen auf dem staubigen Parkplatz vor dem Garten zeugt davon. Doch die Stimmung ist noch annähernd familiär geblieben. Die Besucherinnen und Besucher werden respektiert und freundlich behandelt. Der Eintritt ist mit ca. 10 Euro nicht gerade günstig, doch lohnt sich die Ausgabe schon, möchte man sich in der unvergleichlichen Umgebung der Tarotfiguren verzaubern lassen. Der Tarotgarten gehört sicher zu den Highlights eines Besuches in der südlichen Toskana.

Inspiriert durch den Park Güell von Gaudi in Barcelona und den Sacro Bosco – auch als Parco dei Mostri bekannt – von Pirro Ligorio.

Mit der Realisation ihres Fantasiegartens, die fast zwei Jahrzehnte in Anspruch nahm, erfüllte sich die Bildhauerin und Malerin Niki De Saint Phalle einen Traum, den sie schon seit den Anfängen ihres künstlerischen Schaffens hatte.

Seit 1998 für die Öffentlichkeit in den Sommermonaten zugänglich.
Zweiundzwanzig große Figuren (Trumpfkarten) des Tarots sind als imponierende, bunte Skulpturen ausgestellt, die zum Teil bis zu fünfzehn Meter hoch sind und von farbigen Keramiken, Spiegel-Mosaiken und wertvollem Gläsern bedeckt sind. Ein Teil der Skulpturen ist im Inneren begehbar. Die Umsetzung fand mit Unterstützung einer Gruppe örtlichen Künstler statt.

Die Skulpturen wurden aus Beton gefertigt, mit einer inneren Struktur aus Eisengittern von unterschiedlicher Dichte, die von Hand geflochten und verschweißt wurden. Anschließend wurde die endgültige Form mit Spritzbeton aufgebracht.

Nach dem Willen der Künstlerin wurde die Einrichtung in eine Stiftung umgewandelt. Die Fondazione Il Giardino dei Tarocchi ist eine private Stiftung, die auf den Betrieb und die Erhaltung des Parks ausgerichtet ist.