STELLA • GOETHE

Zwischen 1991 und 2001 inszenierte ich am Hessischen Landestheater Marburg neben meiner Arbeit als Schauspieler auch regelmäßig.
Es entstanden in dieser Zeit 17 Inszenierungen der unterschiedlichsten Richtungen.
Ganz besonders gern habe ich für Kinder gearbeitet.
Die am Theater oft ungeliebten Weihnachtsmärchen waren immer auch eine Herausforderung für mich.
Neben diesen Stücken, waren es aber vor allem die Klassiker die mich interessierten.

Sehen sie sich einige Bilder meiner Inszenierungen an.
Lesen sie Kritiken und schauen Sie, welche Schauspieler die Rollen in diesen Stücken spielten.

 

Besetzung
Regie
Ausstattung
Kostüme
Dramaturgie
Assistenz
Frank Damerius
Axel Pfefferkorn
Renate Ostruschnjak
Ulrike Rohde
Meike Kremer
Darsteller
Stella
Madame Sommer/Cäcilie
Lucie
Fernando
Postmeister, Verwalter
Cornelia Schönwald
Hanna Petkoff
Marianne Sonneck
Jochen Nötzelmann
Frank Damerius

BILDER


KRITIK

An Goethe gerüttelt: lodernde Gefühle und schwelgende Herzen
Hessisches Landestheater feierte im ausverkauften Fürstensaal Premiere mit „Stella“

Uwe Badouin

Wie wird aus einem „Schauspiel für Liebende“ ein „Trauerspiel für Moralisten“? Zu sehen ist es in Frank Damerius‘ Inszenierung von Goethes „Stella“.

Große Kerzen rahmen die Bühne im Fürstensaal des Landgrafenschlosses ein. Sie wird so zum Altar, auf dem der alte Goethe ein Stück des jungen Goethe dem moralischen Empfinden seiner Zeit opfert. Ein Sofa, ein Sessel, ein Tisch, zwei einfache Stühle sowie ein großes Porträt runden das Bühnenbild ab. Mehr ist auch nicht nötig für dieses Kammerspiel des deutschen Dichtervaters, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr groß gefeiert wird.
Regisseur Frank Damerius hat sich dem Stück, das 1776 gleich nach der Uraufführung einen Sturm der Entrüstung auslöste und verboten wurde, nicht mit spitzen Fingern genähert. Er hat es gerüttelt, geschüttelt und nachgesehen, was davon zu halten ist Ende des 20. Jahrhunderts.
Im Grunde kann man das Stück heute kaum noch aufführen, lautet sein Resultat. Man muß „Stella“ 1999 erst einmal spielbar machen. Denn was 1776 unerhört und spannend war, liest sich heute wie ein billiger Arztroman: Schwelgende Herzen, stürmische Leidenschaften, lodernde Gefühle präsentiert Goethe seinem Publikum. Damals, als Ehen in Adelskreisen und im Bürgertum Zweckgemeinschaften zur Mehrung des Familienvermögens waren, war die Liebe als Grund für eine Bindung neu und gewagt. Heute jedoch kann man über so manchen Dialog in „Stella“ nur schmunzeln und möchte mit Fernando rufen: „Gott im Himmel, der du uns Engel sendest in der Not, schenk uns die Kraft, diese gewaltigen Erscheinungen zu ertragen.“ Die Geschichte ist schnell erzählt, denn auf der Bühne passiert nicht viel: Fernando (Jochen Nötzelmann) verläßt seine Frau Cäcilie (Hanna Petkoff) und seine Tochter Lucie (Marianne Sonneck), entführt die junge Stella (Cornelia Schönwald) und verläßt auch sie. Jahre später trifft er alle auf Stellas Gut wieder. Beide Frauen verzeihen ihm ganz schnell, beide wollen ihn zurück, er ist zwischen beiden hin- und hergerissen.
Die Fassung des jungen Goethe sieht ein Happy End in Form einer Ehe zu dritt vor, die Fassung des gesetzten Geheimrats eine Tragödie mit dem Tod von Stella und Fernando.
Für Damerius gibt es im Grunde nur zwei Möglichkeiten, „Stella“ auf die Bühne zu bringen: Entweder aus der Distanz eines literaturhistorisch interessierten Beobachters, oder frech.
Der Regisseur, der auch in zwei Nebenrollen zu sehen ist, hat sich für beide Lösungen entschieden: Die erste Fassung rückt er mit kritischen und witzigen Kommentaren, die von den Darstellern zwischen den Akten gelesen werden, in den historischen Kontext.
Die zweite Fassung – den tragischen Schluß, den Goethe gut 30 Jahre nach der Uraufführung schrieb – bringt er nach der Pause urkomisch als Slapstick auf die Bühne. Für diese Interpretation gab es bei der Premiere mehrfach Szenenapplaus.
Die ironische Distanz zieht sich durch die gesamte Inszenierung: Ein Besucher wird kurzerhand als Diener eingespannt – es sei ja schließlich keine Sprechrolle – und mit den Kommentaren wird immer wieder das Publikum zu Reaktionen animiert. Eine Frau beispielsweise klatscht heftig Beifall, als Damerius einen Kritiker zitiert, der betont, „Stella“ sei nun wahrlich kein gutes Stück. Und Damerius nickt ihr zustimmend zu.
Auch die Darsteller ziehen mit, die der Regisseur auch in ihren Spielpausen sichtbar neben der Bühne plaziert hat. Bisweilen können sie angesichts des Geschehens auf der Bühne ein Schmunzeln nur schwer unterdrücken.
So wie Damerius „Stella“ mit Sinn für Humor und zahlreichen ironischen Brechungen inszeniert hat, kann man sich das Stück tatsächlich, anschauen. Goethe-Verehrern wird seine wenig unterwürfige Interpretation vielleicht wie „Gotteslästerung“ vorkommen, andere werden sie schätzen.

DER RÄUBER HOTZENPLOTZ • PREUSSLER DIE RÄUBER • SCHILLER
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