GLÜCK GEHABT – VERABSCHIEDUNGSGALA

SAMSTAG, 20. Juli 2018

GLÜCK GEHABT – VERABSCHIEDUNGSGALA

Mit dieser letzten Vorstellung verabschiedet sich das alte Ensemble von seinem treuen Nürnberger Publikum


Eine lange Erfolgsgeschichte – Kusenberg stellte Weichen – Kommentar von Steffen Radlmaier

Er ist länger im Amt gewesen, als es Angela Merkel, Joachim Löw oder Ulrich Maly sind – eine gefühlte Ewigkeit.
18 lange Jahre war Klaus Kusenberg Schauspieldirektor in Nürnberg. Das ist ein kleines Wunder, auch wenn er keine Wunder vollbracht hat.
Man kann guten Gewissens von einer Ära sprechen.
Das ist in der schnelllebigen, krisenanfälligen Theaterszene alles andere als eine Selbstverständlichkeit.
Kusenberg hat einen lntendantenwechsel ebenso überstanden wie die Erhebung der Städtischen Bühnen zum Staatstheater, vor allem aber hat er die schwierige Generalsanierung des Schauspielhauses fast geräuschlos über die Bühne gebracht. Auch das zählt zu den Pluspunkten.

Keine Frage, Kusenberg hinterlässt ein gut aufgestelltes, erfolgreiches Haus. Skandale oder auch nur ernsthafte Konflikte gab es unter seiner Ägide nicht – der Laden lief wie geschmiert. Mit seiner ruhigen, zurückhaltenden Art schaffte es der Schauspielchef über all die Jahre, seine Truppe bei Laune und das Publikum bei der Stange zu halten. Zu Kusenbergs besonderen Verdiensten zählt der Aufbau eines wunderbaren Ensembles, das die Herzen der Nürnberger erobert hat. Ja, man kann. sagen, dass sich zwischen Schauspielern und Zuschauern in den zurückliegenden Jahren eine Art Liebesbeziehung entwickelt hat. So mancher ist daher auch traurig, dass man sich jetzt von vielen vertrauten Gesichtern verabschieden muss. Die neue Theaterleitung macht einen radikalen Schnitt. 

Kusenbergs Ära begann im Jahr 2000 mit einem Paukenschlag: Er holte den damals noch weitgehend unbekannten österreichischen Regisseur Georg Schmiedleitner nach Nürnberg, der zum Auftakt mit seiner Inszenierung des Shakespeare- Projekts„Margaretha di Napoli“ für nachhaltigen Eindruck sorgte. Schmiedleitners Handschrift prägte das Nürnberger Schauspiel (und zuletzt auch die Oper) auch in den folgenden Jahren überaus positiv.
Mit einem cleveren Spielplan, der Altes mit Neuem, Unterhaltung mit Anspruch verband, konnte Kusenberg die Abonnentenzahlen deutlich steigern. Immer wieder präsentierte er neue Stücke und junge Regisseure, um drohender Langeweile vorzubeugen. 

In Erinnerung bleiben etwa „Verbrennungen“ von Wajdi Mouawad, Tom Loanoyes „Atropa“, Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ oder Alistair Beatons „Feelgood“.
Nicht zu vergessen Christoph Mehlers außergewöhnliche Inszenierungen von „Richard III.“ und „Woyzeck“ oder Kathrin Mädlers „Die Ermittlung“ in der Kongresshalle.
Als Regisseur lieferte Klaus Kusenberg immer solide Arbeiten ab, doch so manche seiner Inszenierungen entpuppte sich auch als großer Wurf. Dazu zählen Abby Manns „Das Urteil von Nürnberg“, Tschechows ,,Drei Schwestern“ und „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ von Joel Pommerat.

Alles in allem kann man von einer langen Erfolgsgeschichte sprechen. Mit Klaus Kusenberg hat Nürnberg tatsächlich „Glück gehabt“!
Steffen Radlmaier – Nürnberger Nachrichten


 

Diese Video habe ich für die Gala am Ende dieser Spielzeit geschnitten. Die ursprünglichen Videos sind alles Trailer des Theaters für die einzelnen Inszenierungen. Im Detail zu sehen auf dem YouTube-Kanal des Staatstheaters Nürnberg.
Der Text wurde von mir anlässlich der Inszenierung „Hilf mein Geld ist weg“ geschrieben. Die Melodie ist von Tom Waits.

Kritik

Naturgemäß melancholisch die zwei ausgewählten Songs von Tom Waits. Einer mit Frank Damerius, der seine dezente eigene Fassung von „Time“ präsentiert, und Michael Hochstrassers Rosenlied aus dem Musical „Black Rider“
Die vorab verabreichten Taschentücher musste man dennoch nicht benutzen, denn sentimental wurde es nie in den vier Feierstunden.
•••
Dass Klaus Kusenberg ein goldenes Händchen für Darsteller hat, wurde schon oft betont. Jetzt konnte man die aktuellen und auch schon längst woandershin gezogenen Schauspieler nochmal spielen, singen und tanzen sehen, die uns so viele witzige, schaurige oder Gänsehaut-Momente beschert haben. Marion Schweizer und Jutta Richter-Haaser zusammen mit Kusenbergs früher Entdeckung Anna-Maria Kuricowa als „Präsidentinnen“, Frank Damerius, Elke Wollmann, Adeline Schebesch und Thomas Klenk als genüsslich streitende Paare in „Gott des Gemetzels“, Josephine Köhler und Henriette Schmidt mit großer Stimme und noch mehr Charme und natürlich Marco Steeger in seinen glitzernden Overknees aus der „Rocky Horror Show“: Sie alle zeigten, was für eine große und großartige Familie da am Werken war.

Julia Bartolome gehört neben Pius Maria Cüppers, Damerius, Schebesch, Michael Hochstrasser und Thomas Nunner zu den wenigen, die im Ensemble bleiben.


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