DER NACKTE WAHNSINN • FRAYN

PREMIERE – SAMSTAG, 18. DEZEMBER 2015

REGIE: PETRA LUISA MEYER, AUSSTATTUNG: STEFFAN BRANDTMAYR/CORNELIA KRASKE, DRAMATURGIE: FRIEDERIKE ENGEL

Ich spiele Selsdon Mowbray (Sebastian) den Einbrecher
Foto © Marion Bührle


Zum Inhalt:
Grenzenloser Spaß oder Wahnsinn pur: Eine Tourneetheatertruppe steht mit ihrer Komödie „Nackte Tatsachen“ unmittelbar vor der Premiere, und nichts funktioniert. Langsam verliert nicht nur der Regisseur Lloyd Dallas die Nerven, wenn die Hauptdarstellerin Dotty Otley immer noch ihre Requisiten vergisst und die Abläufe durcheinander geraten, wenn der eine Kollege zu tief ins Glas schaut und die andere Kollegin schon wieder ihre Kontaktlinsen verloren hat. Dabei hätten alle mit dem turbulenten Bühnenspaß, den sie proben, mehr als genug zu tun: Haushälterin Mrs. Clackett, gespielt von Dotty Otley, will es sich im Haus ihres Arbeitgebers vor dem Fernseher gemütlich machen, als Makler Roger Tramplemain auf der Suche nach einem Liebesnest mit seiner Freundin Vicki auftaucht. Kaum hat Mrs. Clackett dieses Problem gelöst, kreuzen die Hausbesitzer Mr. und Mrs. Brent auf, die eigentlich, auf der Flucht vor der Steuerfahndung, in Spanien sein sollten …

Doch der eigentliche Spaß an dieser chaotischen Generalprobe und der Komödie in der Komödie entsteht durch den Perspektivwechsel: Im zweiten Akt dreht Michael Frayn die Szene, lässt uns hinter die Kulissen des Theaters schauen und spielt lustvoll mit allen Klischees dieser Welt voller Affären, Intrigen und handfester Skandale.

Besetzung:
Pius Maria Cüppers (Dotty Otley (Mrs. Clackett)), Marco Steeger (Garry Lejeune (Roger Tramplemain)), Josephine Köhler (Brooke Ashton (Vicky)), Michael Hochstrasser (Frederick Fellowes (Philip Brent / Scheich)), Adeline Schebesch (Belinda Blair (Flavia Brent)), Frank Damerius (Selsdon Mowbray (Einbrecher)), Stefan Lorch (Lloyd Dallas, Regisseur), Rebecca Kirchmann (Poppy Norton-Tayler, Regieassistentin), Martin Bruchmann (Tim Allgood, Inspizient)


Kritik:
Wenn der Klamauk und die Kalauer Kapriolen schlagen, auf der Bühne der nackte Wahnsinn ausbricht und das Publikum tobt, dann feiert der in diesem Falle ganz und gar nicht feinsinnige englische Humor Triumphe. Das Staatstheater Nürnberg holt die Slapstickiade „Der nackte Wahnsinn“ aus der Mottenkiste, in der sie der englische Komödienschreiber Michael Frayn 1982, damals taufrisch, eingelagert hatte. Die Regisseurin Petra Luise Meyer versucht die angestaubte Farce im Schauspielhaus wieder zu beleben.

Der erste Akt, gerät in der Nürnberger Inszenierung zum eigentlichen Höhepunkt, denn da macht die aberwitzige Komödie den Zuschauer zum Zeugen der Hauptprobe, bei der nichts klappt: Wenn die Schauspieler ihren Text noch nicht können und manchmal auch noch gar nicht richtig kennen, und die Souffleuse, manchmal auch die genervten Kollegen dem vergesslichen Mitspieler textlich auf die Sprünge helfen, sind das Steilvorlagen für Marco Steeger und Josephine Köhler als sex-hungriges Liebespaar, dem vertrottelten wie versoffenen Sebastian (Frank Damerius) lautstark in die gerade zu spielende Szene zurück zu holen. Das gelingt Stefan Lorch in der Rolle des Regisseurs der Truppe nicht immer, weil Michael Hochstrasser als mediterraner Macho, der aussieht wie ein Alt-Rocker, noch an seiner Rolle feilt und sie ständig hinterfragt. Neben ihm als nuttig aufgeschäumtes blondes Dummchen Adeline Schebesch, die gebückt auf der Suche nach der verlorenen Augenlinsenhaftschale viel Po zeigt, den die zumeist dreiviertelnackte Josephine Köhler im String-Tanga sowieso nicht versteckt.
(Fridrich J. Blöder – Bayerische Staatszeitung)

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