DER DRACHE • PROBENTAGEBUCH

Ein Tagebuch über die Proben von von Claudia Adhikary

Mi. 23.02.2000

10 Uhr Einführung auf der Probebühne, mit 34 Teilnehmern (längst nicht komplett !!). Selbst der Intendant (anfangs, für probentechnische Ansage, wegen dreier parallel laufender Produktionen) und der Verwaltungsleiter dabei!

Der Regisseur Frank Damerius leitet die Konzeption ein, übergibt nach wenigen Sätzen an den Bühnen- u. Kostümbildner Klaus Weber, mit den Worten: „weil ich verklemmt bin“. Herr Weber übernimmt, doch findet er kein Ende… Letztendlich muss der Regisseur nach einigen Seufzern, tiefem Durchatmen und nervösem Kugelschreiberklicken ein Machtwort ergreifen, um selbst wieder fortfahren zu können…

Damerius möchte sich dem Stück auf drei Weisen nähern (und in dieser Reihenfolge):

1. als Märchen

2. als Komödie

3. als politisches Stück; bei letzterem rückt er die Auswirkungen einer Diktatur auf den Einzelnen in den Mittelpunkt.

Auftritt des 40 Minuten zu spät eintreffenden Kollegen Nötzelmann.

Damerius: „Schön, dass du überhaupt noch kommst!“

11 Uhr Einführung beendet.

12 – 13 Uhr Besprechung Kostüme, Maske und Requisiten.

18 Uhr Probe (1.1, Kater/Lanzelot)

Kommentar des Tages:

Klaus Weber beschreibt Aussehen und Aufmachung des Drachen (gespielt von Thomas Streibig), der als „kleines, hässliches Männlein im Flugwerk hängt.

Antwort Streibig: „Kein Problem“


Do. 24.02.2000

Probe 1.2 + 1.3 / 10 Uhr

„Kater“ Ronald `O Staples hat verschlafen, kommt eine halbe Stunde später…

Stichwort „Merkwürdigkeiten“ vom Regisseur eingeführt, um das Märchenhafte des Stückes herauszuarbeiten. Merkwürdigkeiten als Stilmittel suchen.

Damerius´ Beschreibung der Entwicklung im Stück:

Bedrohung im 1. und 2. Akt, „Im 3.Akt ist das alles weg, da spielen wir fröhlich und lustig Karneval in Köln…“ und schaut dabei Thomas „Lanzelot“ Held an. Der hatte nämlich über Karneval frei haben wollen, wurde diesbezüglich jedoch schnell desillusioniert.

Regieanweisung für Auftritt Elsa und Charlesmagne: „Wenn Euch nix einfällt, nischt machen!“

Held: “ Ich werde den Drachen zum Kampf auffordern“

Thomas „Drache“ Streibig wünscht sich ein Probenkostüm: „Ich hätte gern was zum Anziehen, damit ich was ausziehen kann…“

14 Uhr – eigentlich – Besichtigungstermin Ballettstudio Eick (ehem. Franck) in der Oberstadt, für im März ausgelagerte Proben. Mit Regisseur Damerius, technischem Leiter Bielefeld und Verwaltungsleiter Schüßler dort. Ein junger, leicht nervöser Mann kommt erst 5 Minuten zu spät, dann probiert er mindestens genauso lang mehrere Schlüssel aus – erfolglos. Der Richtige ist nicht dabei. Unverrichteter Dinge fahren wir wieder weg. Nächste Woche auf ein Neues…

Am Abend keine Probe, da Comedian Harmonists – Vorstellung


Fr. 25.02.2000

 Probe 1.3 + 1.4 / 10 Uhr

Nochmal ganz von Beginn, zum Erinnern. „Kater“ Staples lispelt heute – als Angebot!

Thomas „Lanzelot“ Held grinst breit und freudig auf Damerius` Probenansage, dass sein Rosenmontag gerettet ist. Bei der Ankündigung, abends hätte er Probe, friert ihm das Feixen ein – zur allgemeinen Erheiterung. Trotzdem führt der Wahl-Köllner danach einen Freudentanz auf.

Sehr lustige 1.4 mit Peter Radestock als geisteskranker Bürgermeister!

Abends keine Probe, da Vorstellung Comedian Harmonists.


Sa. 26.02.2000

 Probe Monolog Lanzelot / 10 Uhr

Souffleur Bernd Kruse hat frei bekommen ( die Regieassistentin auch, aber die hat ein inneres tiefsitzendes Pflichtgefühl, welches sie schlichtweg hindert dieses Angebot anzunehmen – ha ha)

Fotograf (für die Fotodokumentation der Produktion) und Statist Dennis Jagusiak erscheint zum Fotografieren… und wird von Kollege Held seiner Einzelprobe wegen sehr bald vergrault…

Lange Besprechung/Diskussion darüber, wie Lanzelot nach dem Drachenkampf für den Monolog auftritt. Damerius: „Eigentlich müsstest du aus dem Schnürboden runterkrachen und unten aufklatschen wie´n Haufen Scheiße“ – Frage Held: „Und das geht nicht?“

Dialog der Probe:

Damerius: „Lies mal“

Held: „So, wie ich mir das vorgestellt habe?“

Damerius: „Du hast dir was vorgestellt?“ – Pause – Grinsen – Lachen

Damerius: „Mach mal“

Held: „Och nö, ich les so, wie´s da steht“

Der Kollege der Haustechnik Eugen Schäfer, schmiedet mühevoll ein „Schwert“ im Keller (=bearbeitet ein gerades Stück Holzlatte auf äußerst rührende Weise), damit Lanzelot sich zur Probe abstützen kann.


Mo. 28.02.2000

Probe: 1.4 + 1.5 / 10:00

Damerius‘ Beschreibung von Elsas Haltung, “ Das is‘ so’n bekifftes Glücksgefühl…“

„Bürgermeister“ Peter Radestock über seine Begrüßung Elsas, bei der er andeutet, ihre Brüste anzufassen, als ob das tagtäglich üblich wäre (wie in die Wange zwicken), „Eine kindliche Begreifung…“

Radestocks Versprecher, „Glauben Sie, es ist leicht, unter dem Bürgermeister Drachen zu sein?“ (statt „unter dem Drachen Bürgermeister zu sein“) Damerius, „So was darfste nicht machen, das is‘ bei mir sofort gekauft!“ – will heißen: wird so inszeniert…

Probe: ges. 1.Akt / 19:00

Der Inspizient Wolfgang Harberg erscheint zur Probe. Regisseur Damerius ist das frühe Erscheinen eines Inspizienten nicht gewohnt (normalerweise erst kurz vor der Endprobenwoche, ca. 10-14 Tage vor der Premiere), „Was machst du denn schon hier?!“

Thomas „Drache“ Streibig muss aufzählen, „Ich bin der Freund der Kindheit eurer Väter …Großväter…Urgroßväter…“ etc. Bei wiederholtem Aufzählen, „…Ich bin der Freund der Kindheut eirer…“


Di. 29.02.2000

Probe: 2.1 + 2.2 / 10:00

Begegnung/Verhältnis Bürgermeister/Heinrich (Peter Liebaug). Entwicklung der Figur Elsa (Miriam Ternes) beginnt.

Elsas Monolog ist ruhig, leise, intensiv. Lanzelot kommt herein, laut „Elsa!“ rufend. Regieanweisung an Lanzelot, „Es wäre schön, wenn du den leicht sentimentalen Monolog zerdrischst, mit dem Vorschlaghammer: „Elsa!‘…“

Souffleur Bernd Kruse will Lanzelot nach Hause schicken, als die zwei Freundinnen Elsas (Cornelia Schönwald, Kerstin Westphal) zur Probe dazukommen. Der Regisseur, „Lanzelot fertig?! Quatsch, der steht doch dabei! Willst du mich verarschen? Willst mich prüfen, ob ich das Stück gelesen habe?!“

Beschreibung der Begegnung: Als ob Lanzelot einer Boygroup angehört, muss er von den beiden Freundinnen angehimmelt werden und in einem Poesiealbum unterschreiben. Schönwald, „Nach dem Motto: S.V‘?!“ – fragende Blicke – „Sofort vögeln…“

Damerius, „Ich muss mal gucken, wo das spielt. Das soll nicht alles auf der Vorbühne spielen. Da braucht man kein Bühnenbild, wenn alles auf der Vorbühne spielt…“

14:00 zweiter Anlauf der Besichtigung des Ballettstudios. Diesmal passt der Schlüssel! Ab morgen (01. März) sind wir zum Proben dort untergebracht,

Abendprobe entfällt letztendlich, da kein Raum vorhanden (u.a. Gastspiel aus Gießen).


Mi. 01.03.2000

Probe: 1.4 + 1.5 / 10:00

Das erste mal im Ballettstudio. Schöner Ausblick auf die Marburger Innenstadt und die Lahnberge! Mit der Kaffeemaschine von Steckdose zu Steckdose gewandert, bis eine Strom hergab…

Dennis Jagusiak da, zum Fotografieren.

Im gemütlich warmen Aufenthaltsraum erst Besprechung. Der Regisseur Damerius möchte vermeiden, dass in Zukunft bei dieser großen Produktion unangenehmer Stress aufkommen könnte, möchte „vorbauen“, leitet folgendermaßen ein: „Passt auf, Leute, das nervt mich… Und es reicht, wenn einer genervt ist…“

Der Regisseur erzählt von dem Film Brazil, dessen Atmosphäre sehr passend fürs Stück ist.

Gespräch über die Gesellschaft und die Haltung des Einzelnen, der in der Gesellschaft lebt. Thema übergreifend auf die Politik.

Regieanweisung an Lanzelot, dass er leicht angetrunken spielen soll, „…das is‘ schon Karneval!“

Thomas „Drache“ Streibig in seiner gepressten Drachenstimme, „Menschliche Seelen, mein Lieber, sind zehläbig…“ (zählebig)

Miriam „Elsa“ Ternes betont falsch, „Liebster, ich wusste nicht, dass es Menschen wie dich auf der Erde gibt.“ (statt „Menschen wie dich“) Allgemeine Spekulation, ob Menschen wie „er“ stattdessen auf dem Mond existieren…

Damerius arrangiert den Kampf zwischen Lanzelot, Heinrich und Elsa. Elsa hängt auf Heinrichs Rücken, balanciert und bleibt so. Damerius, „Nee, mach keenen Sport!“

Abends keine Probe, da der Regisseur Vorstellung hat (Programm im Deutschhauskeller).


Do. 02.03.2000

Probe: 2.6 / 10:00

Inzwischen häuslich eingerichtet in unserem neuen Terrain! Wird immer gemütlicher.

Dennis Jagusiak nochmal zum Fotografieren dabei.

Handwerker rüsten Lanzelot für den Kampf aus: Weber=Gabriel Spagna, Schmied=Jürgen Helmut Keuchel, Schneider=Christof Küster, Hutmacher=Jochen Nötzelmann (als Gast). Dazu: „Kater“ Staples und „Lanzelot“ Held.

Der Hutmacher soll stottern. Nötzelmann braucht Text vom Souffleur, „Wü-wünsche Ge-gesundheit, m-mein H-herr…T-text !…“

Andere Charakterzüge werden ausgearbeitet: Weber hat ausländischen Akzent, Schmied ist missgelaunt, Schneider spricht etwas tuckig (Modedesigner). Szene Stück für Stück erarbeitet. Sa. wird das Anziehen Lanzelots durch die Treiber choreographiert (von Charles „Carlo“ Guillaume, als Gast).

Abends keine Probe, da der Regisseur selbst Vorstellung hat („Offene Zweierbeziehung“).


Fr. 03.03.2000

Probe: 2.1 + 2.3 / 10:00

Erst mal mit Kaffee und Kuchen begonnen, da Thomas Held, unser „Lanzelot“, Geburtstag hat!

Die am Di. angelegte Szene wird nun vertieft. „Bürgermeister“ Radestock entwickelt einen leichten, fast schwebenden Gang (ähnlich dem Moonwalk, nur vorwärts).

Radestock sagt irgendwann mit Absicht „Waffel“ statt „Waffe“. Bernd Kruse souffliert, im Versehen, „…um eine Vorstellung zu bekommen, welche Waffel am besten zu Ihnen passt…“

Grundhaltung der Szene: Bürgermeister und Heinrich spielen sich ständig Rollen vor. Verlogenheit. Verlogene, gespielte Freundlichkeit.

Damerius sagt einmal „Zwangs weste“ statt „-jacke“.

12:30 die 1.1 drangehängt (eigtl. für Mo. 06.03.) … Da freut sich unser Jeck Thomas Held – Rosenmontag für ihn FREI !

Abends keine Probe, da Vorstellung „Comedian Harmonists“.


Sa. 04.03.2000

Probe: 2.6/choreographisch / 10:00

Fortsetzung der 2.6 von Do., mit Carlo (Charles Guillaume), dem Choreographen, der bereits bei „Bankers Opera“ und „Die Schlacht“ für uns choreographierte.

„Schneider“ Christof Küster fehlt, da er wegen eines Konzerts beurlaubt ist. Ursprünglich wollte der Regisseur zum Tanzen einspringen und die Regieassistentin sollte minutiös mitschreiben. Doch am Abend zuvor entschließt er sich dazu, dem Ganzen als Beobachter beizuwohnen und verdonnert die Assistentin zum Tanzen… Mit dem – leider richtigen – Argument, so präge es sich besser ein, zwecks Einarbeiten des fehlenden Kollegen… Die Assistentin folgt brav, der Regisseur macht es sich auf dem („fliegenden“) Teppich bequem. Spielt dafür als „Mann am Band“ (Tontechniker) die Musik ein.

Volle 3 Std. (mit 1 oder 2 kurzen Pausen) wird hart am Ausrüsten Lanzelots gearbeitet (mit einigen Fastnachts-übernächtigten Kollegen). Es macht aber SPASS!

Vor der Choreographie ordnet der Regisseur an, die vorangegangene Szene „ohne Kunst“ nochmal durchzuspielen, damit der Choreograph einen Eindruck davon bekommt, was vor dem Tanz geschieht. Er selbst springt für Küster ein – und macht doch Kunst, mit Unterbrechungen und Korrekturen…

Damerius steht als „Schneider“ unter der Truhe, „Kater“ Staples tritt auf, allerdings vorwärts. „Rückwärts!“ korrigiert Damerius von unter der Truhe hervor, „…jetzt muß ich schon von hier inszenieren!“

13:00 Wochenende für die, die keine Vorstellung mehr haben (endlich jeckenfrei für Karnevalist Thomas M. Held, der heute noch nach Köln abdüst!).


Mo. 06.03.2000

Nachtrag zu Sa. 04.03. (den ich mit Rücksicht auf den Regisseur ausließ, aber auf ausdrücklichen Wunsch eines Kollegen und im Einverständnis mit dem Regisseur): Schauspieler rackern sich schwitzend bei der Tanzprobe ab, während Regisseur Damerius mit Textbuch im Aufenthaltsraum verschwindet, um sich Notizen zu machen. Er erscheint nach etwa 5 min. wieder, platzt in die Choreographie, „Schreibt man ‚Choreographie‘ mit ‚ie‘?“…

Probe: alle Szenen Bürgermeister/Heinrich / 10:00

2.1 nochmal, teils geändert, teils neu angelegt (auch Striche aufgemacht, auf Wunsch des Kollegen Liebaug). Nach Zigaretten-/Kaffeepause auf den Kampf vorgesprungen (Kampf/4).

Radestock (Bürgermeister), „Lanzelot wird auf seinem fliegenden Teppich aus der Stadt gepustet…“ (orig.: „Lanzelot liegt entkräftet auf seinem Fliegenden Teppich, und der Wind treibt ihn von unserer Stadt fort.“)

Entwicklung (Drache ist tot): Bürgermeister läuft jetzt mit großen Schritten und aufrecht, Heinrich übernimmt dafür den „schwebenden“ Gang.

Als nächstes 3.4. Gestehen der gegenseitigen Bestechungen (und darin Überbietungen). 12:30 schon fertig.

Abends, wie gesagt, keine Probe. Das gleiche war für Di. Abend vorgesehen, ist mit der vollsten Zufriedenheit des Regisseurs mit dem heutigen Verlauf der Proben gestrichen worden (ein freier Abend für manch einen).


Di. 07.03.2000

Tanzprobe / 10:00

Spitzelballett, mit Trenchcoats. Dieser Tanz ist die Eröffnung des Stücks. Charles Guillaume choreographiert wieder. An diesem Ballett sind 10 Darsteller beteiligt, darunter der Souffleur: Bernd Kruse, Cornelia Schönwald, Kerstin Westphal, Gabriel Spagna, Christof Küster, Jochen Nötzelmann, Thomas Streibig, Jürgen Helmut Keuchel, Peter Liebaug und Peter Radestock.

Ja, Kollege Küster ist heute da. Die Freude der Regieassistentin ist groß, sich bei einer Tanzprobe zurücklehnen und sich auf das Mitschreiben konzentrieren zu können. Doch diese Vorfreude währt nicht lange: Cornelia Schönwald ist seit gestern krank, daher muss ihre Lücke in der 10er-Truppe gefüllt werden… Der Regisseur verteidigt seinen Platz am Ton… Also auf zum zweiten Tanz!

Die 10er-Gruppe wird in zwei 5er-Gruppen geteilt, die schrittweise aufeinander zu choreographiert und nach und nach miteinander verschmolzen werden. Abermals eine spannende und schöne Sache. (macht wieder höllisch Spaß, zumindest der zum Tanze Verdonnerten.) (Auf ihre Begeisterung die trockene Feststellung des Regisseurs, „Da kannste ja jederzeit einspringen!“)

Ein schönes Bild: Vertraut ist ja bereits seit letzter Tanzprobe der Anblick des sich auf dem Teppich breit machenden Regisseurs neben der Tonquelle. Doch irgendwann, während des harten Einstudierens, kann man plötzlich beobachten, wie Damerius neugierig einen bunten Staubwedel auspackt (eines der Requisiten) und diesen zu liebkosen beginnt wie ein kleines Kätzchen. Nötzelmann schmunzelt über die Vorstellung, man präsentiere “ den großen Regisseur Damerius“ und sehe ihn dann in dieser Position… Die am Ende getoppt wird mit einem grauen Probenhut…

12:30 (nur eine etwas längere Zigarettenpause um 11:30) ist Schluss – die Nummer ist durch!

14:00 Stadthalle. Treffen mit dem Technischen Leiter Fred Bielefeldt, dem Beleuchtungsmeister Hans-Jürgen Herpich und Bühnenbildner Klaus Weber, um die Züge für die versch. Aufhängungen durchzugehen (Flugwerk, Drachenmantel, Strickleiter, best. Scheinwerfer, etc.). Sergej Fuchs, der Malermeister, ist auch da und führt einen der drei riesigen Drachenköpfe vor. Es wird sogar ausprobiert, wie dieser Kopf aus schwindelnder Höhe auf den Boden fällt – bei diesem ersten Mal hält er tatsächlich durch !…


Mi. 08.03.2000

Probe: 2.1 – 2.4 / 10:00

Großes Programm: 2.1 – 2.4, mit Zeiteinteilungen. Draußen Sprühregen. Damerius plant den Vormittag; bei einer Szene ist Radestock nicht drin; Damerius zu ihm, „Pass auf, Peter, da kannste dann spazierengeh’n…“ (wie gesagt – draußen Sprühregen!)

Thomas M. Held bringt tonnenweise eingesammelte Süßigkeiten vom Rosenmontagszug mit! Direkt eingeflogen aus Kölle!

Zu Peter Liebaug über den Bürgermeister, „Der muss an dir abrutschen wie an ’nem Stück Seife!“

11:00 die 2.2. Peter Radestock wird spazieren geschickt. Er geht einkaufen.

Leise Szene. Stille, Pause – die Kaffeemaschine röchelt. Damerius, „Das is‘ der Drache! Der fliegt da oben ‚rum…“

Damerius beschreibt die körperliche Annäherung und Spannung zwischen Heinrich und Elsa, „Das ist doch oft so, dass zwei sich streiten, sich fast umbringen – also, mir is‘ das noch nicht passiert! – und dann übereinander herfallen…“

12:00 die 2.3 und nochmal 2.1. Alle Bürger werden eingearbeitet. Sozusagen Massenprobe!

13:00 die 2.4. Da gut in der Zeit, 2.5 noch drangehängt. Bis 14:00 heute.

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19:00 Probe: Kampfansagen/Heinrich, mit Peter Liebaug allein (Kampf/3+4). Entwicklung der fünf Ansagen: Steigerung der Unsicherheit Heinrichs.

20:30 Schluss, da genug für eine Einzelprobe. Übrigens: kein Licht im Aufenthaltsraum und Zwischenraum (wo das Klavier steht)…! Dass wir das erst eine Woche nach Probenbeginn in dieser Örtlichkeit merken, zeigt, wie wenig Abendproben wir haben!


Do. 09.03.2000

11:00 nochmal 2.4 + 2.5 (auf 11:00 verlegt, da ursprünglich für 2 Std. angesetzt, was letztendlich nicht nötig war, da gestern schon dran gearbeitet).

Lanzelot sagt original, „Aber ich wurde nicht müde, und ich war oft verliebt.“ Thomas M. Held, „Aber ich war nie müde, obwohl ich oft verliebt war.“

12:00 ges. 2. Akt, mit allen „Massen“. Die Regieassistentin springt, wie bisher bei der 2.3, für eine Statistin als Bürgerin ein. Sie reicht Peter Radestock immer ein Glas Wasser, wenn er als Bürgermeister danach verlangt. Radestock probiert mehrfach aus. Dann die Frage, „Wer is’n das dann?“ Damerius, „Das is‘ eine der Statistinnen.“ Radestock, „Ach, da darf ich mir dann eine aussuchen?!“, spielt Kuss bei „Danke, mein Teuerster“ und scheucht weg bei „Fort mit dir, Schurke!“

Nach einer Kaffeepause und der Entlassung etwa der Hälfte der Kollegen die 2.6 (Ausrüstung Lanzelots). Nur szenisch, da Küster ja noch nicht in die Choreographie eingearbeitet wurde. 13:40 Schluss.

Abends keine Probe, dafür Abstecher mit „Ritter der Tafelrunde“.


Fr. 10.03.2000

Probe: Kampf mit allen Bürgern ohne Statisterie / 10:00

Erst Lesen der Texte, die während dem Kampf stattfinden. Der Regisseur ordnet einen gedehnten Rufduktus an. Fred „Charlesmagne“ Graeve zu Jochen Nötzelmann (hier „Zweiter Bürger“), „Also, wie immer, ne?!“ Alle blicken Jochen wissend an. „Nur lauter“, setzt Graeve eins drauf.

Damerius beschreibt die Volksfest-Atmosphäre, u.a. sind „Winkelemente“ dabei. Allgemeine Erheiterung über den typischen Ostbegriff. Nötzelmann, “ ‚Fähnchen‘ sagt man dazu!“

Idee des Regisseurs, die weiß geschminkten Darsteller sollten sich in der Pause abschminken, weil nach dem Kampf (=der Drache ist besiegt) eine anfangs andere Atmosphäre herrscht. Einschränkung von Damerius, „Bis auf die, die im Gefängnis sind… Die hatten keene Sonne…“

Vorher Lesen, Besprechen und Arrangieren. Vorführung der die Szene begleitenden Musik. Dann Anlegen der Szene. Heute darf die Regieassistentin den Platz „am Band“ einnehmen.

Kampf, d.h. Reaktionen der Bürger, wird Schritt für Schritt arrangiert, immer wieder wiederholt, damit es sich einprägt. Das Ganze am Samstag, mit Statisterie.

Abends keine Probe, da Vorstellung „Kohlhaas“.


Sa. 11.03.2000

Probe: 2.6 choreographisch / 10:00

„Schneider“ Küster wird neu eingearbeitet. Alles einstudiert und geprobt; mehrere Durchläufe.

Dennis Jagusiak zum Fotografieren da. „Schmied“ Keuchel, „Du kannst doch jetzt nicht fotografieren – keinen Arsch in der Hose, wie seh‘ ich denn aus!“

12:00 Kampf, mit Statisterie. Der Regisseur weist die „Neuen“ ein. Ordnet Rufduktus an. Zu den Kindern (Max Radestock / Lukas Reuß), „Ihr könnt ruhig auch brüllen, auch wenn die Mutter (=“Bürgerin“/Statistin) daneben steht…“

Arrangement: Die zwei „Freundinnen“ (Westphal / Schönwald) kommen für ihre Texte in die Mitte. Der Regisseur, „Das Zusammenkommen ist nur, damit die Bühne in der Mitte gefüllt wird… Schauspieler als Füllmaterial…“

Regieanweisung zu Statistin, „Der Drache ist wirklich schrecklich – da platzen die ganzen Eiterbeulen auf…“

Damerius gibt dem Kind (Lukas Reuß) den Text vor, Nötzelmann schließt seinen Text direkt an. Damerius, „Halt! Das war doch ICH! Lass den Jungen doch mal!“

Regieanweisung zu Keuchel (hier „Erster Bürger“), „Du bist in der Dra-Dra-Partei (=Drachen-Partei), die anderen sind in der Blockpartei…“

Damerius springt Ende Kampf für den „Bürgermeister“/Radestock ein. Vorher war er als Bürger selbst auf der Szene, danach als „Charlesmagne“ für den fehlenden Graeve. „Hier kommt dann der Bürgermeister – (steigt auf das Rednerpodest) – das is‘ schon die dritte Rolle, die ich heut‘ spiele… das is‘ geil!“

Ca. 13:40 zu Ende. Sozusagen Wochenende, je nach Vorstellungen…


Mo. 13.03.2000

Probe: alle Szenen Elsa/Heinrich / dazu: Lanzelot/Drache

Elsa/Heinrich um 10:00. Zuerst 1.5: Begegnung der Beiden, in der Heinrich Elsa nahelegt, Lanzelot zu töten.

Peter „Heinrich“ Liebaug hängt im Text, „Darauf befiehlt der Drache zu sagen – was befiehlt er ?!…“

Regisseur Damerius zu Miriam „Elsa“ Ternes, „Mach mal Ballett.“ Führt folgendes vor: setzt sich auf die Treppe des Rednerpults und zeigt dabei Haltung Elsas… Ballett?! (siehe Foto!)

Bei Kaffee und Werthers Echte Lesen der 3.5, die übernächste Zweierszene zw. Elsa und Heinrich. Liebaug liest, „Elsa, ich begrüße dich -„, klopft Souffleur Bernd Kruse auf das Knie, obwohl „Elsa“ neben ihm und näher sitzt, “ – du wirst mit jedem Tag schöner.“ Nachfolgender Untertext, „… und fetter und fetter…“

2.2 wird nochmal gelesen. Regieanweisung, wie Heinrich auf Elsa zugehen soll, sie immer näher ‚ranzieht, küssen will; die Spannung, die dabei entsteht. Der Regisseur führt es an Souffleur Kruse vor, der in seinem Sessel gefangen ist und dem herannähernden Knutscher nicht ausweichen kann… Damerius‘ Text dabei, „… der hat schon fast die Hand an der Masse…“ Kurz vor dem Kuss wird abgebrochen (von wem, weiß man nicht genau…). Beschreibung, was das in Elsa auslöst, „… und du, … naja, das will ich mir jetzt verkneifen, das zu beschreiben…“

Probieren auf der Szene. Peter Liebaug überlegt, legt die Stirn in Falten, dann, plötzlich aus der Kalten, über Elsa, „Sag mal, darf die mich anfassen?!“

Damerius, „Sie lächelt und macht die Augen zu [=lässt es über sich ergehen].“ Liebaug aus Spaß, „Das machen se alle!“ Damerius (betroffen?), „Ehrlich?!“

Liebaug probiert aus, „Überleg dir’s… mein… [singt plötzlich aus heiterem Himmel:] Liebling, mein Herz lässt dich grüßen…“ (gestern war Vorstellung „Comedian Harmonists“, haute Abend auch…).

3.5 angelegt. Elsas orig. Text, „Er stützte sich auf sein Schwert und war leichenblass.“ Ternes, „Er stürzte sich auf sein Schwerz…“

Damerius korrigiert, „Nee, nee, das is‘ schon spannend, da musst du dran sein wie’n Heftelmacher!“ Die Regieassistentin hält die Probe auf, indem sie nachfragt , „Was ist denn ein Heftelmacher?“ Damerius, „Heftelmacher?“ – lächelt – „Das wees ich ooch nich’…“

12:00 Drache und Lanzelot dazu. Beginn mit 1.3. Orig. Text Drache, „Und hinter diesen Totentrompeten her kroch ich aus der Erde.“ Thomas „Drache“ Streibig hat das schon bei der ersten Probe geändert in, „Und hinter diesen Totentrompeten kroch ich aus dem Dreck hervor.“ Heute, jedoch, wird der Drache sehr verkleinert, „Und hinter diesen Totentrompeten kroch ich hervor…“

Orig. Text Drache, „Ihren Ururgroßvater habe ich gekannt in kurzen Hosen.“ Streibigs Textfreiheit, „Ihren Ururgroßvater habe ich schon in Hosenträgern gekannt.“

Als nächstes 2.4 + 2.5. Große Erheiterung über den von der Requisite neu herausgegebenen riesigen Kochtopf (im Stück als „Helm“), der auf Lanzelots Kopf sitzt und Thomas M. Helds Augen bei seinen Reden nach und nach verschwinden lässt.

Vor 14:00 Schluss. Abends keine Probe, da Vorstellung „Comedian Harmonists“.

 

Nachbemerkung: Beim Proben einer Szene ist der Regisseur derart gefesselt, dass er am Schluss eine stark emotionale Handbewegung macht, dabei die Kaffeetasse umwirft und somit verursacht, dass die braune Flüssigkeit auf die wertvolle Diskette, die diese ganzen Zeilen hier enthält, zufließt und zerstörerisch in sie eindringt… Seine Beschwichtigung nutzt da auch nichts mehr, „Was wollte ich denn da machen? – nach etwas greifen!“ (Eine neue Diskette muss formatiert werden…)


Di. 14.03.2000

Vormittags frei, da es die Wh. von Mo. vorm. gewesen wäre, der Regisseur aber Di. früh einen Arzttermin hat und Mo. Abend dafür umso intensiver geprobt wurde.

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19:00 Tanzprobe „Menuett“, mit Statisterie Damen und Kind(ern). Peter Radestock, der eigentlich frei hatte, ist überraschend doch da. Daher muss die Regieassistentin ausnahmsweise nicht einspringen beim Tanzen! Sie versucht, mitzuschreiben, gibt aber bald auf, da sehr komplex (der Choreograph, in seiner ganz typischen Art, „Das ist nicht kompliziert, das ist noch ganz einfach!“) ! Dafür ist sie Frau „am Band“ und an der Digitalkamera des Regisseurs (und hält Tanzschritt für Tanzschritt – oder auch nicht – die Probe bildlich fest).

Paarbildung. Menuett Schritt für Schritt einstudiert. Der Regisseur muss mitlernen, da er als Bürger mittanzt ! Je komplizierter es wird, desto verzweifelter schaut er drein. Der Choreograph Charles Guillaume beruhigt ihn, „Das ist die erste Probe. Wir legen erst an! Nicht nervös werden, ganz ruhig!“ Damerius, „Ich bin ganz ruhig! Solang‘ die Schauspieler nicht nervös werden…“; sagt’s und knabbert an den Fingern…

Kinder werden kurz eingearbeitet, nachdem der Großteil der Choreographie steht: Der Junge soll während dem Tanz zwischen den Paaren umherlaufen, sich alles anschauen, die Tanzenden an den Kleidern zupfen, etc. Einige Durchläufe, auch mit Kind, erfolgen. Lukas Reuß muss 20:30 gehen, weil er am nächsten Tag eine Englischarbeit schreibt. Nach 21:00 muss auch Max Radestock gehen, mit ihm natürlich auch der Papa.

Peter Liebaug gibt als Heinrich das Stichwort für den Tanz, „Meine Damen und Herren, die Ehe ist vollzogen!“ Damerius korrigiert, während er seine Tanzpartnerin galant schwingt, „Die Ehe ist geschlossen!“ Fügt zur Verdeutlichung hinzu,

“ ‚Vollzogen‘ is‘ was anderes…“


Mi. 15.03.2000

Probe: 3.1 – 3.3 / 10:00

Damerius beschreibt bei 3.1 die Atmosphäre und den Beginn der Szene: leicht, unbeschwert. Zu Kollege Keuchel (hier „Erster Bürger“), „Du musst dann – das kannst du gut, Keule – aber nicht schwul! – so einen leicht schwungvollen Gang machen!“

Zwei Statistinnen (fünf sind insgesamt mit von der Partie, drei pro Vorstellung: Marita Atzenhöfer, Gudrun Kaiser-Eckhardt, Gaby Pauquet, Regina Schallehn, Gaby Schüßler) mischen sich heute früh unters Volk. Arrangements werden geklärt. Es ist eine der Szenen vor der Hochzeit zwischen Elsa und dem Bürgermeister. Regisseur als „Bürger“ mit auf der Szene.

3.2 nach Kaffeepause: „Bürgermeister“ Radestock und „Kerkerkommandant“ Jochen Nötzelmann im Dialog. Anlegen der Szene. Es klopft an die Tür des Ballettsaals. Radestock im Kommandier-Ton, „Nein!“ Ein junges Mädel schaut verschüchtert herein, fragt nach der Ballett-Schule. Wir klären sie auf, dass die Schule längst geschlossen hat und nicht mehr existiert. Radestock, „Ich geb‘ auch Privatunterricht…“ Verunsichert bedankt die Besucherin sich und stiefelt davon.

Zum Schluss 3.3: Fred „Charlesmagne“ Graeve dazu. Damerius und Graeve sprechen vor der Probe im Aufenthaltsraum über die Szene, Radestock hängt seinen Gedanken nach. Graeve spricht von seiner Haltung, zitiert seinen Text, „Darf ich jetzt gehen…“ Radestock leicht perplex, „Machen wir jetzt nicht noch die 3.3 ?“

12:45 zu Ende.

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19:00 Probenänderung: Die Tanzprobe für alle, die urspr. angesetzt war, wurde gestrichen, weil Choreograph Carlo nicht kann und die meisten Darsteller der Meinung sind, ohne Choreograph mache es keinen Sinn. Stattdessen nochmal 3.3, dann 3.4 + 3.5, die vor kurzem schon mal angelegt wurden.

Damerius unterbricht bei der 3.4 Peter Liebaug und Peter Radestock, um eine Regieanweisung loszuwerden, „Peter, pass auf – [stutzt] … es ist blöd, mit euch zu probieren – [leicht enttäuschte Gesichter] … man weiß nie, welcher Peter gemeint ist … [allgemeine Erleichterung] …“

20:00 Elsa dazu mit 3.5. (Elsa / Heinrich, auch bereits einmal angelegt). 20:40 Schluss.


Do. 16.03.2000

Vormittags frei, da eigentlich die Szenen von gestern Abend heute früh erst dran gewesen wären, sich durch die Verschiebungen wiederholt hätten.

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19:00 Tanzprobe / Spitzelballett. Der Regisseur bleibt zu Hause, da er beim Anlegen der Choreographie da war (Di. 07.03.).

Choreograph Carlo sagt an, „Ein Vorschlag: Wir machen konzentriert zwei Stunden, mit einer Zigarettenpause, da sind wir um neun fertig…“ Thomas Streibig entsetzt, „Zwei Stunden ? Eine Zigarettenpause ?!“

Heute ohne Trenchcoats, weil die längst wieder in der Schneiderei sind. Streibig zieht seinen Drache-Probenmantel an, schaut triumphierend um sich und sagt cool, „Ich bin wieder der Einzige, der im Kostüm ist…“

Cornelia Schönwald wird eingearbeitet. Zu Beginn allgemein Erinnerungsdurchläufe, Schritt für Schritt. Als alles steht, ein paar Durchläufe mit Musik.

Nach der Zigarettenpause „Durchläufe bis zum Abwinken“ (Carlo). Mit Korrekturen. Die Regieassistentin (wieder „am Band“) kann diesmal Schritt für Schritt mitschreiben. Mit großen Augen bekommt sie fasziniert zum ersten mal einen Gesamteindruck, da sie ja beim Anlegen selbst Teil des Ganzen war und somit keine Perspektive von außen hatte.

Kerstin Westphal, „Carlo, was is’n der Untertext von dem Ganzen?“ Keuchel, „Das geht alles vorüber!“ Die anderen setzen eins drauf, „Das is‘ ’ne Fangfrage!“

20:45 wird die Tanzprobe von einem äußerst zufriedenen Choreographen beendet.

 

Eine kleine Randbemerkung: Seit etwa dem ersten Tag im Ballettstudio kündigt sich Peter Liebaug bei seiner Ankunft immer mit denselben Klaviertönen an, die er auf dem zum Saal gehörenden Flügel spielt. Heute Abend ertönt nichts. Die Regieassistentin fragt enttäuscht, ob er es auslasse, wenn der Regisseur nicht da ist. Liebaug bestätigt das bestimmt und vehement!


Fr. 17.03.2000

Probe: 3.6 / 10:00

Das Hochzeitsbild (vorm. ohne Statisterie). Arrangement, Stellprobe. Frau Weiß von der OP (Oberhessische Presse) ist da, um einen Artikel über die Produktion zu schreiben. Da die Statist/Innen vormittags kaum Zeit haben, fehlen uns Damen fürs Arrangement. Regisseur Frank Damerius bittet die Regieassistentin, sich als Bürgerin dazuzustellen. Dann krallt er sich – erfreut, dass noch eine Dame anwesend ist – Frau Weiß von der OP, als weitere Bürgerin, damit das Arrangement nahezu vollständig wird! Wenig später kommt Dramaturgin Ulrike Rohde durch die Türe. Damerius mitten im Redefluss, „Ah, das ist gut! Stell dich mal gleich dazu!“ Noch einen Moment später tritt der Fotograf der OP ein. Ein suchender Blick nach seiner Kollegin, die mitten im „Volk“ steht. Sie lächelt verlegen zurück. Damerius, entschuldigend, „Das is‘ ’ne Stellprobe… Deshalb dauert das alles länger…“

Damerius steht mit dem Rücken zum Souffleur, weil er mit den Schauspielern an Positionen und Haltungen arbeitet. Bernd Kruse wird von Peter „Bürgermeister“ Radestock in ein Gespräch auf die Ferne verwickelt, schwätzt und lacht mit ihm. Es erwischt, wie immer, den armen Herrn Kruse – Damerius weist ihn zurecht, „Bernd! Das ist unglaublich – kaum dreh‘ ich ihm den Arsch zu, geht das los!“ Es passiert trotzdem wenig später wieder, weil Radestock Kollege Kruse mit dem Probenmesser (aus Plastik!) bewirft. Damerius, „Bernd! Geh‘ in die Ecke! Schäm dich!“

Statistin Gaby Pauquet erscheint um 10:30. Sie wird freudig willkommen geheißen und sofort in die Szene eingearbeitet.

Damerius‘ Anweisung zur Hochzeits-Gratulation, „Passt auf, macht alle diesen verlogenen Yuppie-Kuss!“, demonstriert: Kuss rechts, links, rechts vor die Wange, aber ohne Berührung.

Beschreibung der Drachenstadt und des Volkes durch den Regisseur, „Da is‘ der Zaun seit 400 Jahren, das is‘ ’ne Inzuchtgesellschaft…“

Peter Radestock nennt seit der letzten Probe mit Miriam Ternes die Elsa „Elsen“. Baut das jetzt in seinen Text ein, „Die Braut will etwas sagen, wir geben der Braut das Wort. Bitte, Elsen…“ Allgemeine Erheiterung. Radestock baut das aus, „Es spricht Elsen… aus der Hofgasse 3.“

Damerius fordert Kruse auf, zu soufflieren, „Bernd, gib ‚rein!“ Kruse souffliert orig. Text, „Ich bin zu allem bereit!“ (Es stimmt – Herr Kruse ist allzeit bereit und geistesgegenwärtig… zumindest fast immer… wenn er nicht gerade von Messer werfenden Kollegen abgelenkt wird…!)

Vor 12:00 fertig. Abends Einzelprobe, Monolog/Lanzelot, da Abstecher Ritter der Tafelrunde. (Die Autorin dieser Zeilen wohnt der Probe nicht bei, da in Haiger-Burbach, auf besagtem Gastspiel.)


Sa. 18.03.2000

10:00 Tanzprobe „Menuett“.

Vorher nochmal die gestern angelegte 3.6, die dem Menuett vorausgehende Szene, einmal zur Erinnerung, zum anderen, um die Statisterie einzuarbeiten, die heute komplett erschienen ist.

Trockener „Menuett“-Durchlauf, zum Erinnern. Dann mit Musik. Neue Regieanweisung: absichtlich laut, zumindest sichtbar, im Takt mitzählen!

Mehrere Durchläufe, mit wechselnder Statisterie (Damen/Kind). Regieassistentin am Ton.

Choreograph Carlo übt Kritik an Gabriel Spagnas Zurückhaltung beim Tanz (beide italienisches Blut in den Adern), „Lass mal den italienischen Hengst ‚raushängen… Jetzt bist du gerade Norditalien!“ Spagna, „Jetzt bin ich in Deutschland!…“

Carlo zu Jürgen Helmut Keuchel, „Jürgen, den Arm nicht nur als Alibi da haben! Du hast noch ’n Stück Fleisch drum [= seine Tanzpartnerin] – du musst sie führen!“

Vor 11:30 fertig mit der Tanzprobe. Anlegen der 3.7, der letzten Szene im Stück, mit kompletter Statisterie (Herren als Wachen/Lakaien dazu, zwei pro Vorstellung: Stefan Girgsdies, Dennis Jagusiak, Rolf Peter Weber). Regieanweisung an die Masse, „Ihr müsst da ‚rüber rennen wie eine Herde Scharfe… äh, Herde Schafe…“ (merkt nicht wirklich, was er gerade von sich gab!).

Damerius, „Da muss ich mir noch ’ne Gruppenreaktion überlegen – am besten gar nichts…“

Damerius weist an, dass Ronald „Kater“ O’Staples den Hut des Bürgermeisters von dessen Kopf abnehmen und sich selbst aufsetzen soll. Staples will dazu seine Probenkappe abnehmen. Damerius, „Nee, lass die Kappe auf, da sind doch deine Ohren dran, die kannst du nicht absetzen!“

13:00 Schluss. Schönes Wochenende!


Mo. 20.03.2000

Probe: alle Szenen Heinrich/Bürgermeister / 10:00

Zuerst die aus der 1.4. Radestock bietet neue Sachen an, bricht dabei selbst jedes mal vor Lachen zusammen, von den übrigen Kollegen ganz zu schweigen.

Damerius unterbricht, „Das einzige – warte mal, Peter – das einzige – Peter Radestock, wart‘ mal – das einzige, was du, Peter Liebaug, machen könntest…“

Dann 2.1. Der Regisseur hat inzwischen eine Proben-CD mit allen Sounds vorbereitet. Vorführung der Marschmusik, die den 2. Akt einleitet.

Längere Diskussion, nach einer Weile Probieren, über die Haltung der Beiden beim Dialog: Sind sie sich sofort einig, dass Lanzelot gemeint ist, wenn sie vom „Retter“ sprechen, oder bleibt es offen (Drache könnte auch gemeint sein). Liegt Angst oder Nervosität bereits in der Luft? (Klärung wird bei Kaffee und Zigaretten vertieft.) Nochmal Probieren auf der Szene, mit angedeuteter Angst als Haltung. Es funktioniert.

Als nächstes Ende Kampf (Kampf 4). Orig. Text Bürgermeister, „Lanzelot liegt entkräftet auf seinem Fliegenden Teppich…“ Radestock, „Lanzelot liegt völlig fertig auf seinem Fliegenden Teppich…“

Seit etwa der Hälfte der Probenzeit heute morgen hält Damerius ständig den kleinen grünen Drachen (unser Maskottchen) in der Hand, liebkost ihn, gestikuliert mit ihm, presst ihn an sich, trägt ihn umher, zeigt auf die Darsteller, wenn er für Regieanweisungen unterbricht, (zer)drückt ihn in den Händen, läss ihn abstürzen (als Vorführung des Drachen-Absturzes), etc. … 12:30 Ende.

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16:30 Probenplanbesprechung mit Frank Damerius, Intendant Ekkehardt Dennewitz und Regisseurin Christine Zart wegen Endprobenwoche Sekretärinnen zur Vermeidung kollidierender Proben.

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18:00 Teile aus dem 3. Akt mit kompletter Statisterie. Gesamter 3. Akt war angesetzt, aber auf 3.1 und 3.6 liegt nun der Schwerpunkt, weil die komplette Statisterie zugegen ist und das wegen der wenigen Abendproben leider nicht sehr häufig möglich ist.

Gaby Pauquet sitzt vor Beginn auf der Fensterbank des Aufenthaltsraums. Die Regieassistentin entdeckt empört, dass der kleine grüne Drache mittags nach der Probe, kaum sichtbar, auf die Fensterbank gewandert sein muss, durch die magischen Hände des Regisseurs. Sie fragt entrüstet, „Was macht denn der Drache auf der Fensterbank?!“ Entsetzt steht Gaby Pauquet von dort auf! Und fragt sich bei der Aufklärung, dass nicht sie gemeint war, wie man das psychologisch auslegen könnte, dass sie sich gleich angesprochen fühlte…

Beginn mit Tanz „Menuett“ und „Spitzelballett“, als Notlösung, denn – Peter Radestock, der beantragt hatte, 18:00 anzufangen, wenn Statisterie auf der Szene ist, der Kinder wegen, fehlt mitsamt Sohn Max. Als er angerufen wird, flucht er, dass er es verbummelt hat, dachte 19:00… (durch ein Missverständnis, allerdings). (Lukas Reuß fehlt im übrigen auch.) Die Zeit wird dennoch genutzt, wie bereits erwähnt, mit Tanzdurchläufen. Die Wache wird im „Spitzelballett“ eingearbeitet: Sie muss vor den Tanzenden Damerius (Als „Bürger“) zusammenschlagen. Seine Anweisung, „Schlagt einfach mal ganz expressionistisch auf mich ein!“

18:30 erscheinen Peter Radestock und Junior. 3.1. Einige Durchläufe, damit die Gruppenreaktionen und das Zusammenspiel zwischen „Volk“ und „Bürgermeister“ präzise sitzen.

Klärung der Verteilung und Anzahl von „Hurra’s“. Souffleur Kruse, “ [zitiert:] ‚Pieperepiep, hurra.‘ [zeigt auf die große Gruppe:] Dreimal da…“

Dann die 3.6 / Hochzeitsbild. Bei Durchläufen zunehmendes Tempo, damit den Zuschauern später nicht langweilig wird.

Max Radestock wird eingearbeitet, muss Papa „Bürgermeister“ einen Kuss geben. Der Vater kneift ihn dazu väterlich in die Wange, als Angebot für diese Szene (Angebot wird gekauft). Später, bei der Hochzeitszeremonie, muss Max den Vater abermals küssen. Nun kneift er den Papa hinterher in die Wange (Angebot wird sofort gekauft!)…

Nach schritt- und stückweise Durchläufen, um sich zu erinnern, eine kleine Zigarettenpause, dann noch einmal die 3.6.

20:20 Schluss. Der Regisseur wollte eigentlich nochmal den „Kampf“ machen, da jetzt alle Beteiligten da gewesen wären, aber es ist zu spät, wegen dem Kind.


Di. 21.03.2000

10:00 gesamter 3. Akt ohne 3.7 (letzte Szene). Gaby Schüßler von der Statisterie da. 3 Durchläufe der 3.1. Pause für das „Volk“. Weiter mit der 3.2., Bürgermeister / Kerkerkommandant. Bei Bürgermeisters, „Nimmst du sie auch richtig ‚ran?“ muss „Kerkerkommandant“ Nötzelmann eine Arzttasche aufmachen, in der ein Folterwerkzeug steckt. Nötzelmann nimmt für die Probe seine Privat-Aktentasche. Er öffnet sie. Radestock holt Nötzelmanns Bürste heraus, fährt sich damit durchs Haar. Nötzelmann bietet zur Steigerung sein Bündel (frische) Socken an… 5 mal wird die relativ kurze Szene durchgespielt.

Dann 3.3. Jochen Nötzelmann will sofort nach seinem kurzen Auftritt im Aufenthaltsraum verschwinden. Damerius ruft ihn zurück, „Halt, Jochen, stehenbleiben!“ Jochen muss zugeben, „Hach, bin ich zu schnell abgegangen, ich hab‘ mich so auf’n Kaffee gefreut!“ Einige Durchläufe.

Weiter mit 3.4. Nur 1-2 mal durch, da ja gestern intensiv geprobt.

Nach einer kurzen Pause 3.5, 2 mal. Dann Massenszene 3.6. Inzwischen sind insgesamt drei Statistinnen eingetroffen (dazu: Marita Atzenhöfer und Gaby Pauquet), was natürlich dem Hochzeitsbild sehr gelegen kommt. Fred „Charlesmagne“ Graeve mimt beim Gratulations-Arrangement das Kind (und lässt sich den Kuss an „Bürgermeister“ Radestock nicht entgehen…).

Die Regieassistentin und Souffleur Kruse amüsieren sich beim „Menuett“, wie gestern bereits, köstlich über Damerius‘ abgespreizten kleinen Finger der rechten Hand…

2 Durchläufe. Beim 2. „springt“ Damerius als Bürger „ein“; Nötzelmann hat, so auch gestern, seinen Platz eingenommen, damit der Regisseur besser auf die Arrangements achten kann. Seine Worte jetzt, „Lass mich mal, ich muss es ja auch machen, ich muss es ja lernen…“

Peter Liebaug hängt im Text, steigt aber in derselben Honnecker/Ulbricht-Stimme aus, die er seiner Figur Heinrich in dieser Szene verleiht, „Die dankbare Stadt beschließt… was beschließt die Stadt…?!“

Dann gesamter 3. Akt (ohne 3.7) im Durchlauf. Während der 3.6 kommt eine weitere Statistin, Regina Schallehn, durch die Tür und darf sich gleich unters „Volk“ mischen.

12:50 ca. Schluss. 3. Akt (ohne das Ende) bisher insges. ca. 25 min.

Abends keine Probe, da Vorstellung Die Ritter der Tafelrunde.

Eine kleine Randbemerkung von gestern: Ein Gespräch über die Drache-Website kommt auf. Peter Radestock, „Da hab‘ ich noch gar nicht ‚reingeguckt…“ Die Regieassistentin rät ihm, „Das solltest du mal machen, da sind schöne Zitate von dir drin!“ Radestock, trocken, „Das wollt‘ ich vermeiden…“


Mi. 22.03.2000

10:00. Gesamter 2. Akt ist angesetzt, mit halbstündiger Szeneneinteilung.

Alle lesen im Aufenthaltsraum den Artikel der OP in der „MEX“-Ausgabe. Teils Erstaunen über einige Zitate von Kollegen, „Das hast du wirklich gesagt ?“ etc. Bei Gabriel Spagnas Zitat äußert er sich, „Das hab‘ ich nie gesagt… Ich hab‘ sonst nie mit der Presse zu tun, die schreiben nämlich immer, was ich nicht sage…“

Beginn mit 2.1. Arrangieren des Rednerpults und des Original-Throns, den die Technik heute früh frisch aus der Schreinerei hochgebracht hat. Der ist wirklich RIESIG (1 m hohe Sitzfläche, noch höhere Seiten und Lehne), ein kleiner Unterschied zu den bei der Probe benutzten Not-Konstruktionen (z.B. Stuhl auf Tisch)! Dies löst einen ziemlichen Tumult aus. Derweil spielen die beiden Peters, Radestock und Liebaug, ihre Szene. Als Damerius ankündigt, er müsse noch etwas klären, wirft Radestock trocken ein, „Wir sind schon fertig!“

„Bürgermeister“s orig. Text, fast heulend, „Da siehst du, wie schlimm es um mich steht.“ Radestock übertreibt, heult, „Was ist nur aus mir geworden?!“

Intensives Arbeiten an Gruppenreaktionen. Zwei Statistinnen (Gaby Schüßler, Gudrun Kaiser-Eckhardt) kommen dazu. Dennis Jagusiak („Wache“) zum Fotografieren ist ebenfalls da.

Als nächstes 2.2. Liebaug leicht Text verwirrt, „Ich bin bevollmächtigt… – nee! …“

Thomas „Lanzelot“ Held sagt, schon seit einigen Proben, „Elsa, heute sind Sie noch schöner als wie gestern!“ Heute fällt es aber richtig aus der Rolle. Damerius erlaubt ihm den Gag, aber er muss es in ein Stammeln einbetten, damit die Zuschauer nicht denken, „Was hat der Schwarz da für’n Scheiß geschrieben?!“ (Zitat: Damerius). Neuer Ansatz, große Lacher. Damerius, „Das gibt sowieso ’n Lacher, was glaubt Ihr, wie Ihr ausseht, mit den Glatzen und den (Sonnen-) Brillen…“

Nochmal 2.2, mit versammelter Bürgerschaft. Regina Schallehn dazu. Massenszene 2.3 im Anschluss, bis zum Übergang zur 2.4. Dann wird die „Masse“, incl. „Handwerker“, heimgeschickt. Die 2.6 wird auf morgen (Do.) 13:00 verschoben, da hier sowieso die Choreographie in dieser Szene als Tanzprobe angesetzt ist.

Nach einer Pause 2.4 und 2.5, 2 mal durch. 13:15 Schluss.

Abends keine Probe, da abermals Vorstellung Die Ritter der Tafelrunde. (Die einzige Möglichkeit, parallel zu dieser Vorstellung zu proben, wäre der Monolog von Lanzelot, und der sitzt bereits ganz gut, ist heute also nicht nötig.)

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14:30 Requisitensitzung mit Regisseur Damerius, Requisiteurin Urda Hülsmeier und der Regieassistentin im Schwanhof. Minutiöses Durchgehen und Klären der endgültigen Orignal-Requisiten. Die Regieassistentin hat den großen Kochtopf dabei, der mit Riemchen präpariert werden muss. Sie hat ihn vorhin beim Essen auf der Terrasse der „Brasserie“ bereits dabei gehabt… und freut sich schon diebisch auf die Reaktionen der Marburger Fußgänger, wenn sie morgen zwei Proben-Blumensträuße von der Stadthalle bis zur Reitgasse spazieren tragen darf… Kurz vor 16:00 ist die detaillierte Sitzung beendet. Es hat sich doch einiges an Requisiten angesammelt!

Schöne Regieanweisung im Textbuch von Cornelia Schönwald, in der sie sich aufgeschrieben hat, dass die versammelte Bürgerschaft lärmend vorbeirennt, „Bürgerschaft pest“ !


Do. 23.03.2000

10:00 gesamter 1. Akt mit halbstündiger Szeneneinteilung. Beginn mit 1.1. Das erste mal spielt die Regieassistentin die „Radiomusik“ ein, die den Anfang der Szene im Wohnzimmer begleitet. Die einstudierten Bewegungen bekommen eine ganz andere Wirkung mit der leise unterlegten, gleichmäßigen Marschmusik.

Damerius sagt im Versehen zu „Kater“ Ronald O‘ Staples „Thomas“. Er entschuldigt sich, „Thomas… äh, ich sag‘ immer ‚Thomas’… Andreas…“ Merkt es erst bei den fragenden Gesichtsausdrücken der Kollegen. „…Ronald !… Das sind meine Nerven!“

2-3 mal die 1.1, dann die 1.2 im Anschluss. Fred „Charlesmagne“ Graeve als Antwort auf Lanzelots Frage, ob denn niemand versucht hat, mit dem Drachen zu kämpfen, „In den letzten zweihundert Jahren – nein, nicht, solange ich lebe…“ Letzteres ist hinzugedichtet!

2 mal diese Szene, dann nochmal 1.1 und 1.2 im Durchlauf mit direkt anschließender 1.3., bei der der Drache hinzukommt. Thomas „Lanzelot“ Held und Thomas „Drache“ Streibig auf der Szene im Dialog. Damerius unterbricht, „Halt, Thomas, du – … Thomas Held… Das ist verrückt in dieser Produktion – Peter und Peter, Thomas und Thomas!…“

Wenn der Drache abgeht, ertönt eine startende Düsenmaschine. Damerius macht vor, wie die anderen Darsteller ihre Köpfe gen Himmel richten und der Flugroute folgen. Held, „Und wieder ‚runter…“ Damerius, „Nee, nicht wieder ‚runter, der landet doch nich‘ !“

Orig. Text Drache, „So, jetzt radiere ich das ganze Nest aus.“ Nach einer Unterbrechung hängt Streibig, „So, jetzt zerstöre… nee, lösche…, nee… was?!“

Pause. Dann 1.4, mit Bürgermeister und allen Bürgern. Peter Liebaug hat während der Kaffeepause eine Konstruktion aus 5 oder 6 Schirmen um sich gebaut, in der sein Oberkörper verschwindet wie bei einem Schalentier. Kerstin Westphal sucht ihn, läuft schnurstracks an dem blauen Gebilde vorbei, ruft in Richtung Aufenthaltsraum, „Peter…?!“ (Leider keine Kamera da!)

Damerius führt der „Bürger“-Gruppe vor, wie sie sich einheitlich im Gleichschritt bewegen und im Chor „pieperepiep“ aufsagen sollen, wenn sie zusammen mit dem Bürgermeister auftreten. Er läßt die ganze Gruppe zur Übung im Gänsemarsch einen Bogen durch den Saal trippeln und dabei pieperepiepen, damit der exakte Gleichschritt zustande kommt. Jochen Nötzelmann kann es kaum fassen. Während er brav mitmarschiert, sagt er zum Regisseur, „Du willst uns verkohlen!?“ Damerius lässt sich nicht ‚rausbringen. In Bezug auf diese einheitliche Massenwanderung sagt er, „Ihr kennt doch Metropolis, diesen Stummfilm?!…“ Nötzelmann kontert, „Ja, aber… stumm, ne?!…“

Als nach 2-3 Durchläufen die „Bürger“ heim- oder von der Szene weggeschickt werden, geht es wenig später weiter mit der 1.5, Heinrich/Elsa. Peter Liebaug hat das Proben-Messer nicht einstecken, beginnt mit seinem Text, „… du sollst Lanzelot töten *…* Mit einem Messer. Mit diesem hier… das hab‘ ich jetzt nur leider nicht bei mir… das liegt da drüben… es ist vergiftet…“; bricht erst so richtig ab, als die Regieassistentin es ihm bringt.

Elsa und Heinrich müssen sich im Sitzen über den Tisch hinweg die Hände reichen und halten, mit knisternder Spannung in der Luft. Absolute Stille an der Stelle. Damerius flüstert der Regieassistentin zu, „So sieht Geschlechtsverkehr aus, in der Drachen-Stadt!“ Als wenig später ohnehin unterbrochen wird, sagt er das nochmal laut an – und schon wird die nächste Regie-Idee in die Tat umgesetzt – tiefes, erotisches Atmen beim Halten der Hände!

13:00 Tanzprobe. Choreograph Charles Guillaume dazu. Es treffen ebenfalls Andrea Weiß und ein Fotograph der OP (für die Fortsetzung der Artikel-Serie in der „MEX“), sowie Dramaturgin Ulrike Rohde ein. Erst „Spitzelballett“. Kollege Jürgen Helmut Keuchel hat vormittags bis nachmittags einen wichtigen Termin, ist daher für die Zeit beurlaubt. Die Regieassistentin tritt beim Tanz an seine Stelle… was für sie recht konfus endet, da sie – wenn überhaupt ! – eher Cornelia Schönwalds Schritte drauf hat (die hilft ihr wiederum…)! Noch komplizierter wird es – allerdings für alle Beteiligten – als die Tanzenden die Tischtennisball-Augen, die sie zu diesem Tanz tragen sollen, das erste mal ausprobieren. Kaum einer sieht, wo er hintritt. Die Gucklöcher müssen auf jeden Fall vergrößert werden. Herrlich das Bild, wenn ernsthaft choreographisch diskutiert wird und jeder das künstliche Augenpaar woanders hingeschoben hat: wie Hörner auf dem Kopf, Auswüchse auf den Wangen, Beulen am Kinn, etc. (hurra für eine Kamera!).

Ca. 13:30 die 2.6 (Ausrüsten Lanzelot) choreographisch, zum Erinnern. Choreograph Carlo nimmt Keuchels Platz als „Schmied“ ein… Gg. 14:00 die ganze 2.6 rein szenisch. Diesmal springt der Regisseur selbst für Keuchel ein. 2 Durchläufe. Danach bis 14:45 ein paar weitere Tanzdurchläufe, wieder mit Carlo als „Schmied“. – Keuchel in dreifacher Form (nur nicht orig.!) ! –

2.6 szenisch: Orig. Text Weber, „Ja, ein Teppich der Sonderklasse, doppelt geknüpft, Wolle in Seide. Die Farben nach Geheimrezept zubereitet.“ Gabriel Spagna, „… Die Farben nach Geheimrezept zusammengebraut.“

14:45 Schluss. Abends keine Probe, da der Regisseur im Deutschhauskeller Vorstellung hat. Die Tanzprobe 2.6, die ursprünglich eigentlich für abends angesetzt war, wurde vorgezogen, damit Carlo einen halben Tag gewinnen konnte, den er zum Wegfahren brauchte. Daher die sog. „lange Probe“.


Fr. 24.03.2000

Gar keine Probe, da 10:00 und 20:00 Vorstellungen Der kaukasische Kreidekreis, in der der Regisseur selbst besetzt ist.


Sa. 25.03.2000

Die Abfahrt für den Abstecher Der Sturm nach Arnstadt (bei Erfurt) hat sich um 1 Stunde verfrüht. Daher wird die Tanzprobe von 10:00 (bereits am Freitag) abgeblasen, um die gesetzliche Ruhezeit einzuhalten. Der Monolog von Lanzelot wird auf 10:00 vorgezogen (und findet im Café statt, weil der Regisseur den ihm von der Regieassistentin anvertrauten Schlüssel vergessen hat, und sie wegen dem Abstecher von der Probe befreit ist…).


Mo. 27.03.2000

10:00 Kampf. Statisterie teilweise da; Dennis Jagusiak zum Fotografieren. Riesen Karton voller Stückchen und ebensolche Tüte Kekse (von Kollegen gespendet) zum Wochenbeginn.

Kampf 1 mit Musik. Dann erst mal alles trocken und ohne Musik durch, zum Erinnern der Gruppenreaktionen, des Timings, der synchronen Bewegungen, etc. Das Ganze nach einer Zigarettenpause im Durchlauf mit Musik. Insgesamt dauert der Kampf noch etwa 20 mins., wird aber original sicher kürzer, da noch zu verdichten.

Orig. Text Zweiter Bürger (Jochen Nötzelmann), „Zwei Drittel Achtung vor dem Drachen habe ich verloren.“ Nötzelmann, „Drei Achtel vor dem Drachen…“

Damerius beschreibt die Reaktion der Bürger nach der Stille, wenn erneuter Kampflärm einsetzt, „Das is‘ wie beim Artilleriebeschuss…“ Keuchel ‚übersetzt‘, „Waffenstillstand!“

Nach 12:00 alle Tänze nach Stückreihenfolge. Choreograph Charles Guillaume dazu. „Spitzelballett“ 3 mal durch. Läuft schon sehr gut. Als nächstes 2.6/Anziehen Lanzelot. 1 trockener Durchlauf, zum Erinnern für Kollege Keuchel, der letztes mal ja fehlte. Dann Durchlauf mit Musik.

Mit dem Lanzelot-Probenmantel gibt es Probleme für die Choreographie, weil er „Schneider“ Christof Küster in seiner Bewegungsfreiheit einschränkt. „Hutmacher“ Nötzelmann ringt dem schon leicht genervten Carlo die Erlaubnis ab, seinen Vorschlag auszuprobieren, den Mantel an Küsters Stelle anzuziehen. Nach dem Durchlauf ein skeptischer Blick des Choreographen. Nötzelmann, „Ja, ich weiß, es hätte noch etwas hübscher sein können, aber es geht.“ Carlo, „Das sieht sau doof aus!“ Nötzelmann, „Das is‘ mir egal, aber es geht!“

„Menuett“ 2-3 mal durch. Carlo ernüchtert die Begeisterung und den Eigenlob der Tänzer, „Da is‘ viel Schönes dabei!…“ Keuchel muss einsam mit der Luft tanzen, da eine „Bürgerin“ zu wenig. 13:15 Schluss.

—–

18:00 alle Szenen mit Statisterie. Zuerst knappe Stunde lang Kampf mit kompletter Statisterie (ohne Lukas Reuß, der krank ist).

Nach einer Kaffee-/Zigarettenpause Massenszenen chronologisch von vorn. Beginn mit 1.4 (erster Auftritt Bürgermeister mit Bürgern). 3-4 mal durch.

2.1 (Eröffnung 2. Akt / versammelte Bürgerschaft mit Bürgermeister / Vorbereitungen für den Drachen). 2 mal durch.

2.2 (Elsa/Freundinnen/Lanzelot), um die 3 mal vorbeirennende Bürgerschaft mit Bürgermeister (Zwangsjacke) dingfest zu machen.

2.3 (Waffenübergabe mit versammelter Bürgerschaft). Dann die kurze Kampfanheizung Heinrichs, an das Volk gerichtet (Ende der 2.5).

Nach einer Kaffee-/Zigarettenpause 3. Akt. 3.1/Hochzeitsvorbereitungen 1 mal. Dann 3.6/Hochzeitsbild, incl. „Menuett“. Direkt anschließend die 3.7, zum Erinnern, die erst einmal angelegt wurde. Daher wird etwa Mitte der Szene abgebrochen, weil morgen beim Stückdurchlauf intensiver daran gearbeitet werden soll. 20:40 Ende.

Einige gehen noch etwas trinken, um wirre Köpfe kühl zu kriegen…


Di. 28.03.2000

10:00 gesamtes Stück angesetzt.

1. Akt 2 mal, incl. „Spitzelballett“, denn beim ersten Durchlauf war streckenweise wenig Spannung vorhanden. Damerius‘ Beschreibung dessen, „Das war so ’ne Montag-Morgen-Breite… *fast mit einer Verwunderung:*… dabei is‘ heut‘ Dienstag…“ Zu einer ganzen Gruppe von Darstellern, „Und habt ’n bisschen Spaß beim Spielen… *gleiche Verwunderung wie vorher, fast ein Hauch von Traurigkeit:*… Theaterspielen macht doch Spaß !… Es ist zwar stressig, aber es macht doch Spaß… *Pause* …oder ?…“

Thomas „Lanzelot“ Held hat beim ersten Durchlauf in der 1.1 über die Radio-Marschmusik lachen müssen. Jetzt, beim zweiten Mal, als die Musik ertönt, Damerius trocken, „Ist doch schön!“

1.2. Orig. Text Elsa, „Ich werde die letzten Stunden meines Lebens verfluchen.“ Miriam Ternes betont, „Ich werde die letzten Stunden meines Lebens verfluchen.“ (In einer anderen Probe sagte sie mal, „Ich werde die letzten Stunden meines Lebens fluchen.“)

Der 1. Akt dauert bisher exakt eine halbe Stunde, incl. „Spitzelballett“. Der zweite Durchlauf mit einigen Unterbrechungen, um an bestimmten Stellen intensiver zu arbeiten.

Pause, dann 2. Akt im gleichen Verfahren.

Bei 2.2 absolute Stille, knisternde Spannung zwischen „Heinrich“ Peter Liebaug und „Elsa“ Miriam Ternes. Liebaug verzieht nach einer tragenden Pause das Gesicht, sagt weinerlich, „Text!“

2.2, die Stelle, an der die versammelte Bürgerschaft durch die Szene rennen muss. Da „Bürgermeister“ Radestock im Aufenthaltsraum sitzt (und anscheinend von nichts weiß), entsteht an der Stelle eine kleine Pause. Dann prescht Souffleur Bernd Kruse von seinem Platz im hinteren Eck bei den anderen Bürgern in die Saalmitte, um die Situation zu retten. Kurze Pause, Stutzer, die Bürger folgen ihm zögernd… Unterbrechung, um den orig. „Bürgermeister“ zu holen…

Radestock verwechselt als „Bürgermeister“ bei seiner „Bewusstseinsspaltung“ die Stimme (hoch/tief) und den Text, „Fort mit dir, Trine… nee…! “

2. Akt, ohne 2.6 (im Tumult untergegangen, da 2.5 mit Kampfrede Heinrichs an das Volk endet), ebenfalls 30 min.

2. Durchlauf gleich im Anschluss, diesmal mit 2.6, aber ohne Choreographie.

2.5 orig. Text Elsa, als sie, vom Drachen befohlen, Lanzelot töten soll, „Glaubst du, ich lasse mich von dir beschimpfen, nachdem wir uns geküsst haben. Ich liebe ihn. Er wird dich töten.“ Ternes, „Glaubst du, ich lasse mich von dir beschimpfen, nachdem ich ihn getötet habe.“

Orig. Text Elsa, „Ich glaube, Sie hätten den Drachen auch so zum Kampf gefordert, auch wenn ein anderes Mädchen an meiner Stelle gewesen wäre.“ Damerius bemerkt ihre falsche Betonung, „… auch wenn ein anderes Mädchen an meiner Stelle gewesen wäre…“ Sein Kommentar, „Das klingt, als ob ein Junge an deiner Stelle gewesen wäre… Noch is‘ er nicht schwul, der Lanzelot!“ Ein verwunderter Kollege, „Noch is‘ er nicht schwul ?!“ Damerius, „Das kommt noch…“

Gg. 13:00 Schluss für heute Mittag. Morgen kommen der Kampf und der dritte Akt nach dem gleichen Verfahren wie heute dran.

19:00 Monolog/Lanzelot und 1.1 (Kater/Lanzelot) – ohne Regieassistentin, denn die ist schon wieder unterwegs, mit einem Großteil der Kollegen, mit der Vorstellung Die Ritter der Tafelrunde. Mal seh’n, ob’s heute mit dem Schlüssel klappt!


Mi. 29.03.2000

10:00 Kampf. Zwei Statistinnen da (später eine dritte). Dennis Jagusiak fotografiert heute wieder. Inspizient Wolfgang Harberg schaut, seit einigen Tagen schon, immer wieder mal, herein. Und eine Schulpraktikantin namens Esther ist zu Besuch, mitsamt ihrer Lehrerin, die sie eigentlich nur herbringen wollte, die sich aber best. 20 min. lang nicht von der Probe losreißen kann!

Damerius‘ Beschreibung der leicht gebückten Haltung der Bürger bei Heinrichs Kampfansage, „Ein D.R. – Damerius Rundrücken“.

Peter Liebaug bei der nächsten Kampfansage, „Hört mein Kommuniqué…“ Als die „Bürger“ nach dem Kampf abgehen, verschwinden alle bis auf Jochen Nötzelmann rechts, er selbst links von der Szene. Ein fragender Blick von ihm, „Wieso da ab?!“ Damerius spontan, „Weil dort das Kon-Zimmer *Aufenthaltsraum* ist!“

Nach dem Kampf Pause; d.h. währenddessen Monolog / Lanzelot mit Thomas M. Held. Der Text des Monologs wird auf die ihn begleitende Musik (Pink Floyd) abgestimmt, so dass sich alles zusammenfügt, wie ein gesprochenes Lied. Held macht den Monolog zweimal im Durchlauf, ein drittes Mal für sich (um Zeit- und Rhythmusgefühl für die Dauer des Musikstücks zu bekommen), während die Pause sich dem Ende zu neigt.

Dann 3. Akt, incl. „Menuett“.

3.3. Orig. Text Bürgermeister, „Ich mache Sie zu meinem persönlichen Sekretär.“ Weil Charlesmagne ihn vorher mit „Herr Präsident“ anredet, bringt Radestock das durcheinander und sagt, „Ich mache Sie zum Präsidenten.“ – Allgemeine Erheiterung – Radestock baut das aus, „… und ich werde Ihr persönlicher Sekretär…!“

Damerius fragt Ende 3.6, ob das „Menuett“ etwas bringt (wegen Unvollständigkeit der Statisterie). Keuchel lautstark, „Ich hab‘ heut‘ ’ne Partnerin!“ Diesmal geht Damerius leer aus, tanzt leidenschaftlich mit der Luft…

Nach einer Pause die 3.7, intensiv, mit Unterbrechungen, Klärungen, etc. Nochmal zurück und von vorne. Bestimmte Stellen paarmal durch, damit sie sitzen.

Ende 3.7 sagt Damerius zu Bernd Kruse, der die ganze Zeit nicht auf die Szene ging (obwohl er dabei wäre), um besser soufflieren zu können, „So Bernd, mach mal!“ Kruse souffliert Lanzelots orig. Text, „Was soll ich jetzt mit euch allen machen?“

Thomas Held wenig später, „Was soll ich jetzt aus euch machen?“

12:45 Schluss. Abends keine Probe, wegen der Vorstellung Der Sturm.


Do. 30.03.2000 – Peter „Bürgermeister Radestocks Geburtstag

Peter Radestocks Geburtstag!

Regisseur Damerius bringt Sekt und Kuchen mit. Als Souffleur Bernd Kruse den Sekt sieht, verlässt er den Raum mit folgenden Worten, „Oh, da muss ich erst meinen Pullover ausziehen!“ Er erscheint eine Weile nicht, die Tassen (Gläser gibt es nicht) sind schon voll. Radestock, „Sag mal, wie lange braucht denn der, seinen Pullover auszuziehen!“

Reden über das Alter. Damerius, „Das geht ganz schnell, mit den Geburtstagen… Das is‘ wie in der Badewanne – wenn du den Stöpsel ziehst, fließt es erst langsam ab, dann geht’s immer schneller und schwups – biste weg!“ Radestock, „Und man wundert sich, dass man im Trocknen sitzt…“

10:00, bzw. eher auf die 10:30 zu (…!) alle Szenen Heinrich/Bürgermeister, sprich die beiden Peters. Damerius versucht, Heinrichs Haltung in der 2.1 zu beschreiben, „Du musst das irgendwie verlogener spielen… Ehrlicher, und dadurch verlogener… verstehst du, was ich meine…“

11:30 Charlesmagne dazu; alle Szenen mit den Dreien, d.h. es gibt ja nur die eine (3.3). Schöne „Hut-Choreographie“: Wenn „Bürgermeister“ Radestock und Fred „Charlesmagne“ Graeve sich unterhalten, was sehr förmlich zugeht, nehmen sie immer höflich – Bürgermeister eher formell – die Hüte ab, wie zum Gruß. Zeitversetzt sieht das sehr amüsant aus.

Kurz darauf (2 mal etwa Durchlauf dieser kurzen Szene) Ende der Probe.

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13:00 Tonaufnahmen im Tonstudio im Schwanhof mit Ronald Strauß, dem Chef der Tonabteilung. Es handelt sich nur um die paar Sätze kurz vor dem Kampf und zu Kampfbeginn, gesprochen von Thomas Streibig (Drache), Ronald O‘ Staples (Kater) und Thomas M. Held (Lanzelot). Das ist schnell getan.

Wieder gilt es, Wartezeit totzuschlagen. Um 14:30 ist Pressegespräch mit Vertretern der OP (Oberhessische Presse) und MNZ (Marburger Neue Zeitung).

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17:00 trifft sich die Regieassistentin mit Lukas Reuß, dem einen der beiden Kinder, die den Jungen im „Volk“ spielen. Sie arbeiten etwas nach und üben, weil Lukas die letzten beiden Male gefehlt hat und es jetzt auf die Endprobenwoche zugeht. Vor allem der Rufduktus beim Kampf wird unter die Lupe genommen. Dann Schilderungen und Vorbereitungen auf Szenen, die er bisher verpasst hat oder noch nicht kannte.

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Gg. 18:00 kommen die anderen dazu. Alle Massenszenen. Die Statisterie ist heute abend wieder komplett, bis auf Rolf-Peter Weber (Wache/Lakai), der sich abmeldet, weil er einen VHS-Kochkurs leitet und heute Lamm kochen muss…

Beginn mit „Spitzelballett“. Choreograph Charles Guillaume ist auch da. Beim 1. Mal schon zufrieden, daher keine Wiederholung.

1.4 2 mal, mit wechselndem Kind (Reuß/Radestock).

Die Regieassistentin macht sich, wie zwei Tage zuvor, auf dem „Fliegenden Teppich“ breit, um den Ton bequem bedienen und gleichzeitig mitschreiben zu können, etc.

2.2, wenn die versammelte Bürgerschaft 3 mal über die Szene rennt. Ein paar hinken hinterher. Frank Damerius ruft ihnen hinterher, „Hey, Ihr müsst schneller sein!…“ Fügt etwas leiser hinzu, „Auch wenn euch das *er meint das verrückte Bild der wild schnatternden und rennenden Menge* nicht gefällt…“

2.3. Orig. Text Bürgermeister, „… bei mir setzt Bewusstseinsspaltung ein.“ Radestock, „… jetzt habe ich eine doppelte Bedeutung…“

Alle Massenszenen aus dem 2. Akt nochmal, mit Austausch der Kinder.

Dann Choreographie 2.6. 3 mal durch. Gleich danach Kampf. Damerius springt, wie kurz im 2. Akt, für Fred „Charlesmagne“ Graeve ein, der mit Molly Sweeney auf Abstecher ist. Kampf zum zweiten Mal, wieder mit Austausch der Kinder. Jedes mal, wenn der „Gärtner“ (Gabriel Spagna) auftritt, heulend und sich mit einem riesigen Taschentuch die Nase schnäuzend, kann man Regisseur Frank Damerius am Regietisch beobachten, wie er der Szene gebannt folgt, sein Gesicht sich leicht verzerrt und allmählich in mitleiderregendes, stummes Weinen übergeht… (Er selbst streitet dies ja ab, meint, er „platzt immer mit“, wenn er sieht, wie Spagnas Halsschlagadern zum Bersten gespannt sind!). Inzwischen hat er auch wieder den kleinen Grünen in der Hand…

Lukas Reuß muss wieder 20:00 weg. Dafür tanzt Max Radestock das „Menuett“ mit. 2 mal nur der Tanz, nicht das ganze Hochzeitsbild. Heute tanzt Gabi Schüßler mit der Luft (Charlesmagne fehlt ihr als Tanzpartner ).

Ca. 20:15 Ende der Probe (vor allem der Kinder wegen).


Fr. 31.03.2000

Der letzte Tag oben in der Reitgasse 11.

10:00 gesamtes Stück, incl. Tänze. Intendant Ekkehard Dennewitz besucht die Probe, um sich den Durchlauf anzuschauen. Inspizient Wolfgang Harberg ist auch da. Statisterie (Damen) zum Teil. Regieassistentin am Ton.

Etwa 30 min. für den 1. Akt.

2. Akt. In der 2.2 passiert exakt das Gleiche, wie ein paar Tage zuvor: Stille, knisternde Pause, bei der nicht klar ist, ob sie künstlerischer Natur ist oder nicht, dann ein verzweifelter Liebaug, „Text!“

2. Akt ca. 35 min.

Der Kampf dauert 18 min. Der Monolog = 6:36 min. muss noch hinzugerechnet werden, denn der wird jetzt gesprungen, da er heute Abend in einer Einzelprobe dran ist und intensiv probiert wird (nicht viel anderes möglich wegen der laufenden Vorstellung Der Sturm). Dennoch spricht Thomas M. Held ihn mit Musik leise für sich, während die anderen ihrer wohlverdienten Kaffeepause frönen.

Nach der Pause 3. Akt. Hochzeitsbild : Jürgen Helmut Keuchel, „Wir gratulieren dem Braut… der Bräutig… dem Braut… – “ Er bricht endgültig ab und beginnt von vorn.

3.7, letztes Bild. Orig. Text: Gerber (Frank Damerius), „Er hat meinen Sohn in den Kerker werfen lassen.“ Bürgermeister, „Hast du mir nicht eine Pfeife mit der Inschrift ‚Ewig dein‘ geschenkt?“ Folgendes geschieht: Damerius, „Er hat meinen Sohn in den Kerker werfen lassen.“ Radestock, „Du Pfeife! Hast du mir nicht eine solche… mit der Inschrift… “

Großes Durcheinander beim Durcheinanderreden der Bürger. Fred „Charlesmagne“ Graeve ist zu früh mit seinem Einruf „Ruhe!“ Diskussion. Er sagt, er hat das Stichwort nicht gehört. Damerius, „Das kam auch noch nicht, das kannst du gar nicht gehört haben!“

Keuchel kommt immer zu früh mit seiner „Eisengießerei“. Nach dem dritten Mal verzweifelt er leicht, „Wann kommt denn meine Eisengießerei?!“ Damerius, „Die kommt viel später…“ Mehrere Anläufe, bis dieser Schluss stimmt (da die einzelnen Sätze der Bürger ineinander verzahnt werden müssen).

Der 3. Akt dauert ca. 33 min. So kommt das gesamte Stück auf etwa 2 Stunden reine Spielzeit (20 min. Pause zusätzlich).

Gg. 12:30 Schluss der Probe und Abschied von unserem äußerst angenehmen Probenraum mit der tollen Aussicht… Großes Zusammenräumen der Requisiten, Möbel, Kleider, etc., endgültiges Spülen und Einpacken der Kaffeestation, große Müllentsorgung, Durchfegen („besenreine“ Übergabe wird erwartet)… Alles in allem die Endreinigung. Regisseur und Souffleur packen mit an und helfen der Regieassistentin. Letztere wartet noch auf die Herren der Technik (der Leiter Fred Bielefeldt und Thomas Krohn), die mit dem Sprinter alles abholen, den Saal leerräumen und den Schlüssel für die Übergabe mitnehmen.

Haben die Plastik-Blumensträuße neulich keine große Wirkung erzielt, so ist das Transportieren des Lanzelot-Schwerts, das abends zur Probe benötigt wird, umso spannender: Mit großen Augen drehen sich Kinder nach der Regieassistentin mit dem merkwürdigen Gerät um, Erwachsene blicken fragend drein… Das hat sich wenigstens gelohnt!

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14:00 Beleuchtungs-Vorbesprechung am Schwanhof. Frank Damerius tippt die wichtigsten Lichtstimmungen selbst in den Computer ein (G-a-r-d-i… „Schreibt man Gardine mit ‚ie‘ …?“), in Absprache mit Beleuchtungsmeister Hans-Jürgen Herpich. Der malt sich im Kopf schon Anzahl und Positionen der Scheinwerfer aus, teilt gedanklich seine Leute ein, etc. Die Regieassistentin blättert parallel dazu das Textbuch Szene für Szene durch, damit nichts vergessen wird.

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19:00 Monolog/Lanzelot, im Schwanhof. Die Regieassistentin kann dem endlich beiwohnen, da sie dort gleichzeitig Spielleitung für den Sturm hat, sich aber vom Geschehen entfernen darf, solange sie im Hause ist. Gleichzeitig kann sie Souffleur Bernd Kruse vertreten, der wiederum bei der Vorstellung seiner Arbeit nachgehen muss. Im Zeitraum ca. einer halben Stunde dreimal durch, langsam, konzentriert, mit wenigen Verbesserungen.


Sa. 01.04.2000

Keine Probe, da Generalprobe Sekretärinnen, die abends 20:00 Premiere haben.

Schönes Wochenende! Dann geht’s auf zum Endspurt, in die Endprobenwoche hinein… Viel Kraft !


Mo. 03.04.2000

T.E. (Technische Einrichtung) und B.E. (Beleuchtungseinrichtung) seit früh morgens in der Stadthalle zugange. Heute noch keine Probe, da nachmittags Leuchten angesetzt ist. 16:00 stoßen deshalb Regisseur, Assistentin und Inspizient dazu. Technik, Beleuchtung, Ton und Requisite sind schon am Werkeln. Die Chefin der Maske, Anke Nesajda, ist ebenfalls da und hat einiges für die Woche vorbereitet. Über 14 Mitarbeiter wuseln über die Bühne. Parallel laufen die Arbeiten in Schneiderei, Schreinerei und Malsaal weiter.

Für das Regie-Team gibt es noch Wartezeit, weil die Beleuchtung noch nicht fürs Leuchten bereit ist (die T.E. hat länger gedauert, da alles in allem ein technisch sehr aufwendiges Bühnenbild vor uns steht).

Alle möglichen Züge sind heruntergelassen – die Stangen, an denen der Drachenmantel, das Flugwerk mit Schaukel und Strickleiter, der aufgemalte „Eiserne Vorhang“ (sog. Decker), etc. eingehängt sind und die an Schnüren auf- und ab bewegt werden können.

Das Bühnenbild sieht bombastisch aus, in orig. Größe, Tiefe, Dekoration und Position !!!

Gg. 19:00 geht die Beleuchtungsprobe endlich los. Der Beleuchtungsmeister, Hans-Jürgen Herpich, flucht vor sich hin, weil einige Scheinwerfer nicht in seinem Sinne eingerichtet wurden. Als das Fluchen fortgesetzt wird, der Regisseur ruhig, „Eigentlich wollten wir’s uns heute gemütlich machen… Ich hatte schon überlegt, ob ich meine Couch mitbringe… Aber wenn du so fluchst…“ Bühnen- und Kostümbildner Klaus Weber erfindet in diesem Sinne einen „harmonischen Tag der himmlischen Glückseligkeit im chinesischen Jahr des Drachen“…

Auf Wunsch von Klaus Weber wird folgende Episode niedergeschrieben: Der Decker, auf dem der „Eiserne Vorhang“ aufgemalt ist, muss fürs „Spitzelballett“ auf eine bestimmte Höhe gefahren werden, so, dass gerade noch die Darsteller drunter durchkommen. Die nur 1,62 m große Regieassistentin stellt sich mit den Worten drunter, „Ich bin kein Maß!“

Dennis Jagusiak hat während T.E. und B.E. fotografiert. Jetzt ist er als Beleuchtungsaushilfe voll dabei. Ronald Strauß vom Ton bleibt zu Beginn, um die Laufzeit der ersten Lichtstimmung ( = „Spitzelballett“ ) auf die Tonlänge abzustimmen. Dann fährt er nach Hause, um dort die einzelnen Toneinsätze, die der Regisseur produziert und ihm aufgenommen hat, auf zwei Tonquellen zu überspielen, zu bearbeiten, etc. Michael Schwabe von der Technik ist heute Abend eingeteilt, um die versch. Züge zu bewegen. Susann Förster-Döring und Michael Imhof speichern Lichtstimmungen im Computer ein bzw. richten Scheinwerfer und ihre Farbfolien ein.

Die Funktion der Regieassistentin bei der Beleuchtungsprobe ist, sich anleuchten zu lassen, d.h. Positionen der Darsteller einzunehmen, Wege abzugehen, etc., damit später alles genügend erleuchtet ist. Während Lichtstimmung für Lichtstimmung „gebaut“ wird, was immer erst eine Weile dauert, hat die Assistentin nicht viel zu tun. Daher macht sie sich daran zu schaffen, vom „Stacheldrahtzaun“, der aus dicker schwarzer Schnur und in gleichmäßigen Abständen darauf geklebten Knoten besteht, die Klebstofffäden von jedem einzelnen Knoten zu entfernen… was Klaus Weber schier irre macht…

Damerius zählt 3 Sekunden vor, um die Zeit für einen Lichtwechsel zu timen, „Einunddreißig, zweiunddreißig, dreiundzwanzig…“

Der Regisseur glaubt, die Regieassistentin bei ihrer Kleber-Entfernung schocken zu können, „Du machst die ganzen Effekte kaputt – die Knoten vom Zaun sollen glühen!…“ Sie ganz locker, „Jaja…“ Enttäuscht versucht er’s beim Beleuchtungsmeister, „Hansi, gib mal Strom auf den Zaun!“ Er, noch cooler, „Gleich!“ Noch enttäuschter gibt Damerius auf.

Nach Lichtstimmung 10 Zigarettenpause im Aufenthaltsraum. „Lanzelot“ ist seit geraumer Zeit dazu gestoßen, um sich den Original-Schauplatz anzuschauen.

Für die Lichtstimmung, in der der Drache im Flugwerk „anfliegt“, darf die Regieassistentin auf die Schaukel! Und sie darf in die Lüfte fliegen! Der Regisseur möchte die Hinterbühne komplett verdeckt haben, also muss in einen der Züge weiterer Stoff eingehängt werden. Damit Techniker Schwabe nicht alleine eine 3/4 Stunde damit zubringen muss, packen alle beim Montieren mit an: Regisseur, Bühnenbildner, Inspizient, Schauspieler und Beleuchtungsmeister. Solange lassen sie die Regieassistentin völlig hängen… Kollege Held packt übrigens auch an den Hebeln der Züge mit an, da teilweise für einen Techniker zu schwer.

Der entfaltete Drachenmantel füllt fast die ganze Bühnenbreite. Beleuchtet wirkt er noch gigantischer!

22:40 Schluss für heute. Morgen, nach der Vormittagsprobe, wird das Leuchten fortgesetzt.

Dennis Jagusiak macht auf ein Wort mit 36 Buchstaben aufmerksam: HOCHLEISTUNGS-WECHSELSPANNUNGSSTELLER – auch simpler ausgedrückt als „Dimmer“…


Di. 04.04.2000

10:00 erste Bühnenprobe. Schon 1-2 Stunden früher sind einige Mitarbeiter wieder am Werkeln.

9:00 geht die Regieassistentin mit der Chefin der Requisite, Urda Hülsmeier, die Requisiteneinrichtung durch. Technik und Beleuchtung bereiten auf Anfang des Stückes vor. Vor 10:00 trudeln nach und nach die Darsteller ein. Statisterie zum Teil.

Beginn mit „Spitzelballett“. Ein paarmal in Ruhe durch, um sich an die neuen Räumlichkeiten zu gewöhnen. Kevin, der schwarze Hund von Urda Hülsmeier und Ronald Strauß, wird zu Beginn eingeführt, und zwar, wenn die Wache beim „Spitzelballett“ vorbeiläuft, und danach noch einmal über die Bühne geht. Kevin wird von einem der beiden (Dennis Jagusiak) an der Leine geführt. Teils wedelt er freudig mit dem Schwanz, teils trippelt er ängstlich mit, froh, von der Bühne zu kommen, vor allem, wenn Regisseur Damerius „zusammengeschlagen“ und links von der Bühne geschleift wird…

Choreograph Charles Guillaume betreut das „Spitzelballett“.

Die Lichtstimmungen, die gestern eingeleuchtet wurden, werden schon vom Inspizienten angesagt und von der Beleuchtung gefahren.

Heute früh noch mit Probenkostüm. Garderobiere Elisabeth Müller schaut sich den Ablauf an und notiert sich Einrichtung der Kostüme und Umzüge.

Kurz vor 11:30 10 min. Pause. Immer noch im 1. Akt, da technisch einiges zu klären ist.

Damerius muss immer in den Saal hineinbrüllen, um Ansagen zu machen. Nach der kurzen Pause stattet ihn Ronald Strauß vom Ton mit einem kleinen Mikro am Hemd aus. Bei der nächsten Ansage dröhnt Damerius‘ Stimme durch den Saal. Der erschrickt selbst, „Oh, jetzt bin ich auf Sendung!“

Die Wachen (Weber/Jagusiak) werden im Verlauf der Probe nach und nach eingebaut, besonders in Szenen, in denen die Herren der Statisterie bei Vormittagsproben fehlten, o.ä.

Kein Ton auf dem Standmikro auf der Bühne in der 2.1. Ronald Strauß krabbelt unter dem „Stacheldrahtzaun“ auf die Bühne, bleibt an den Schnurknoten hängen. Verdutzt über die Wirkung einer bloßen Attrappe, „Au!“ Klaus Weber fügt hinzu, „Pass auf, da is‘ Strom drin!“ Die Regieassistentin, „Den hab‘ ich doch gestern entfernt…“

Bei der Ankunft des Drachen mit Flugwerk/Schaukel wird nach einem Durchlauf der Sequenz nochmal alles ohne Darsteller rein technisch probiert. Dann 10 min. Pause (13:05), um das gleiche nochmal mit Schauspielern zu wiederholen.

Strauß gibt für den Drachen (Streibig), der für die Szene ein Mikroport anhat, Effekte über das Effektgerät ein. Dadurch wird seine Stimme beim Reden verzerrt, höher oder tiefer geregelt („gepitcht“) oder mit Hall versehen. Ein bizarrer Effekt, mit gruseliger Wirkung.

Nach der Kampfanheizung (Heinrich/Liebaug) und der Entfaltung des Drachenmantels werden gg. 13:40 die Schauspieler entlassen. Noch einmal rein technisch.

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Dann Avanti-Pizza-Pause für die, die noch längst zu tun haben…

Kurz vor 15:00 Fortsetzung mit Leuchten, nachdem die Beleuchtungsabteilung Effekte und Lichtstimmungen für das Kampfbild vorbereitet hat.

16:00 mit 1. Teil (vor der Pause) durch. 3. Akt (nicht mehr viele Lichtwechsel) von der Beleuchtung einrichten lassen. (Das Licht im 2. Teil soll dann erst im Ablauf begutachtet werden.) Wartezeit bis 18:00.

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18:00 Probe mit Kostüm. Statisterie komplett, auch beide Kinder. Fortsetzung von da, wo wir mittags aufgehört haben. Der Regisseur ist nun auch im schwarzen „Bürger“-Kostüm, dirigiert darin weiter die Proben. Guillaume zur Choreographie 2.6 da.

Kampf. Tüftelei mit Ton, Licht und Technik. Die Regieassistentin, die zusammen mit Ronald Strauß den Ton fährt – sie drückt die Tonstimmungen ab, er regelt Lautstärke, Boxen und Mikroports – kommt ganz schön ins Schwitzen. Es muss mit zwei Tonquellen gearbeitet werden (Minidisc und CD), da öfter zwei Töne übereinanderliegen.

Kurz vor 20:00 Zigarettenpause. Danach Monolog/Lanzelot. In blauem Licht seilt Thomas M. Held sich von der Portal-(Beleuchter-)brücke ab, fällt zu Boden. Er ist mit einem Mikroport verkabelt, über das auch Effekte wie Hall, Delay (verzögertes Echo) u.a. eingespielt werden können. Darunter liegt leise die Musik von Pink Floyd.

Danach große Versammlung auf der Bühne, um ein paar Dinge für den Kampf zu klären. Ronald Strauß erschöpft zu Inspizient Wolfgang Harberg, „Ich hab‘ so’n Kopf, und trotzdem nich‘ alles drin!“ (Die Regieassistentin kann sich dem nur anschließen…)

Kampf zum zweiten, incl. Monolog, der aber abgebrochen werden muß, weil das Mikroport „absäuft“ (= durch Schweiß nicht mehr klar klingt). Aber das Schwert, das „Lanzelot“ von der Portalbrücke aus fallen lässt, bevor er sich abseilt, ist tatsächlich gelungen mit der Spitze unten im Boden gelandet und steckt dort senkrecht fest!

Orig. Text Gärtner (Gabriel Spagna) im Kampf, „Charlesmagne, nicht grübeln, das deprimiert…“ Spagna, „Charlesmagne, nicht grübeln, das verzweifelt…“ (Verzweiflung im Endprobenstress ?…)

Kurz vor 21:00 Ende der Probe.


Mi. 05.04.2000

9:30 Begehung der Bühne mit der Feuerwehr, um alles, was mit offenen Flammen zu tun hat, auf Sicherheit hin zu überprüfen. Die Feuertöpfe, ein pyrotechnisches Element, die während dem Kampf auf den Seiten der Bühne gezündet werden sollten, sind nicht gestattet, da nicht befestigt. Auf Bitteln und Betteln wird die brennende Kerze auf der Vorbühne im 1. Bild genehmigt!

10:00 Beginn mit 2.6, szenisch, incl. Choreographie. Charles Guillaume dazu. Da es technische Probleme mit der Lichterkette gibt, die Lanzelot im Dunkeln hell erleuchten soll, muss das Ende der Choreographie erst ein paarmal technisch geprobt werden (der Regisseur schon „leicht“ genervt, weil immer wieder etwas schiefgeht… der Ablauf muss exakt im Zusammenspiel mit Musik, Licht, Technik, Nebel, und nicht zuletzt den Darstellern, funktionieren!).

Dann der Übergang zum Kampf technisch. Danach das komplette Kampfbild, mit von Ronald Strauß neu bearbeitetem Ton (mit neuer Verteilung auf die beiden Tonquellen MD und CD). Heute mit den drei aus schwindelnder Höhe fallenden Drachenköpfen. Ende Kampf mit fließendem Übergang zum Monolog. Das Schwert kommt direkt hinter einem abgetrennten Drachenkopf auf. Auch der geschwächte Lanzelot macht sich gut in mitten zweier riesiger, auf dem Boden liegender Köpfe.

Ca. 11:30 Pause.

Ronald „Kater“ O‘ Staples fragt Regisseur Damerius, ob er sich rasieren soll. Damerius muss sich das nochmal auf der Bühne ansehen. Aber er überlegt, „Katzen sind doch auch behaart…“

Verwaltungsleiter Jürgen Schüßler bittet den Regisseur für ein paar min. ins Zimmer nebenan. Damerius seufzt tief und schwer, verabschiedet sich in die Runde, „… Tschüss, Kinder, macht’s gut… das war’s dann… Peter *Radestock* macht dann die Inszenierung zu Ende…“

Großer Umbau durch die Technik zum 3. Akt (Hochzeitsausstattung mit großer, weißer, gedeckter Festtafel). Alles ist schnee- / blütenweiß, auch die Kostüme. Cornelia Schönwald (selbst in Weiß) kommt in den Aufenthaltsraum, „Ward Ihr alle im Waschsalon?“ Sogar der schwarze Hund Kevin bekommt für das Bild nach der Pause eine weiße Decke übergehängt, um nochmal mit den Wachen/Lakaien, ganz in Weiß über die Bühne zu flanieren! Nicht einmal die Schlagknüppel der Wachen/Lakaien sollen ausgespart bleiben: Damerius, „Gisela *Chefin der Schneiderei*, kannst du uns noch zwei weiße Kondome machen… als Überzug für die Knüppel der Wachen…“

Weiße Kostümbeschauung im Eingangsfoyer. Dann auf die Bühne. „Menuett“ einmal durch, zum Einfühlen in die neuen Räumlichkeiten. Guillaume wieder dazu. Dann Arrangieren des Gefängnis-„Käfigs“ (eigtl. ein Zubehör der Bühne, eine Art Gitterschrank auf Rädern): Die 3 „Gefängnisinsassen“ („Kater“ Staples, „Schneider“ Küster und „abgemagerter Schmied“ Bernd Kruse) laufen in/mit dem fahrbaren Gerüst von hinten links auf die Bühne in kurze Erscheinung, um gleich wieder zu verschwinden.

Wurde all dies geklärt, geht alles auf Anfang 3. Akt (ca. 12:30). Mit Unterbrechungen, kleinen Änderungen und Ergänzung der fehlenden Lichtwechsel. Der „Käfig“ wird ein zweites Mal eingebaut: Er wird gegen Ende nochmals hereingefahren, um „Kerkerkommandant“ Jochen Nötzelmann, „Bürgermeister“ Radestock und seinen Sohn „Heinrich“ Peter Liebaug in Gefangenschaft zu stecken und weg zu transportieren. Damerius klärt Technik und Darsteller auf, „Ihr schlagt den Jochen zusammen… und dann fahrt Ihr den Käfig ‚rein…“

Das Ende wird mit Max Radestock inszeniert, der irgendwann nach Schulschluss plötzlich auftaucht und in weißem Kostüm inmitten der Hochzeitsgesellschaft auf der Bühne steht. Die Sequenz wird zweimal technisch geprobt. Vor 14:00 Schluss der Vormittagsprobe.

Achim Reimschüssel von der Technik äußert sich zur Reinigung der Bühne, „Also, wegen den weißen Kostümen seh‘ ich schwarz…“

Das (handschriftliche) Tagebuch hat noch 19 freie Seiten, der Countdown läuft…

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Die Abendprobe, die um 18:00 angesetzt ist, sollte die erste Komplettprobe sein, d.h. ein kompletter Durchlauf des gesamten Stücks in orig. Kostümen mit Umzügen, mit Maske, mit orig. Licht, Ton, Technik, und Umbauten. Die Maskentermine beginnen heute (zum ersten Mal mit Maske) um 16:30. Die ganzen Glatzen müssen geklebt werden.

Beginn ca. 18:15/20. Intendant Ekkehard Dennewitz, Presse (OP, MNZ und Andrea Weiß von der MEX) und Theaterfotograph Martin Kreutter sind heute mit von der Partie.

Beginn mit „Spitzelballett“ (Charles Guillaume schaut heute den ganzen Abend mit zu), incl. der Tischtennisball-Augen. Sichtschwierigkeiten für die Tänzer. Bei der Abgangsbewegung nach links stolpert Peter Radestock (nicht nur er !), fängt sich gerade so wieder und kommt beinahe lässig und elegant auf dem Fernsehmonitor zum Sitzen (der links auf dem Bühnenboden steht und in einigen Szenen das Geschehen auf der Bühne mitverfolgt). Dort macht er es sich zwangsläufig für ein paar sec. gemütlich, leicht verdattert… Die Konsequenz des Chaos‘: Die „Spitzel-Augen“ werden von jetzt ab über den Augen, d.h. auf der Stirn getragen.

Nochmal von vorn. Hund Kevin entkommt Dennis Jagusiak, will am liebsten in den Zuschauerraum fliehen, Richtung Herrchen am Tonpult in der letzten Reihe… Er wird aber noch rechtzeitig zurückgezogen!

Die Landung des Drachen. Thomas Streibig kommt zum ersten Mal mit der Maske auf die Bühne, die er für die Verwandlung dann abnehmen muss: Bart, Sonnenbrille, Nase und Hut miteinander verbunden. Ronald Strauß, in Erwartung, „Wo is‘ er denn?!“

„Zwangspause“ (Zitat: Damerius), als in der Kampfanheizung/Heinrich einiges an Technischem schiefgeht…

Ca. 20:10 weiter mit der 2.6. und dem Kampf mit anschl. Monolog. 20:50 Ende der Probe. Der 3. Akt kommt morgen dran. Der 1. Teil vor der Pause dauert mit gestoppter Zwischenzeit etwa 1’38“ (wird aus Erfahrung noch kürzer!).

Noch etwa 10 min. Austesten der Effekte mit Streibigs Mikroport. Da ist natürlich Schluss mit normalem Sprechen! Jedes mal, wenn Streibig gerufen wird und mit „ja“ antwortet oder privat etwas dazu sagt, wird seine Stimme verzerrt, höher oder tiefer… Ihm selbst wird’s unheimlich, wenn er seine eigene Stimme nicht mehr unter Kontrolle hat!

Heute haben EINIGE ihre Nerven gelassen ! Der Regisseur am meisten !!!


Do. 06.04.2000

Anstoßen auf das Geburtstagskind. Ca. 10:15 Beginn mit dem 3. Akt. Vorher hat Regisseur Damerius Kollege Kruse beim 2. Akt aus all den Massenszenen herausgenommen, nicht etwa als Geburtstagsgeschenk, sondern weil er in seiner Funktion als Souffleur auf der Seitenbühne für die Schauspieler wichtiger ist. Im „Spitzelballett“ und im 3. Akt als „Gefängnisinsasse“ bleibt er natürlich unentbehrlich!

Hochzeitsgesellschaft. Fred „Charlesmagne“ Graeve springt wieder fürs Kind ein (vormittags nicht dabei, wegen der Schule), gibt „Bürgermeister“ Radestock die Küsschen. Das geschieht alles in komplettem Kostüm. Damerius am Regiepult klärt Bühnen- und Kostümbildner Klaus Weber und die beiden Schneiderinnen (Claudia Siebenborn, Cathleen Wilhelm) im Zuschauerraum besorgt auf, „Das is‘ jetzt das Kind, das is‘ nicht Graeve!“

Ca. 10:45 Pause. Ein sehr kurzer Besuch für die Schulklasse, die eben mal ‚reinschaute…

Umbau auf Anfang. Alle Übergänge, technischen Dinge, Choreographien, etc. sollen nochmal chronologisch durchlaufen und evtl. korrigiert werden, damit abends beim ersten Komplettdurchlauf alles klappt. Der Umbau dauert etwa eine Stunde, weil Nebel- und Trockeneismaschinen eingerichtet, die Züge auf Position gebracht, die Bühne hergerichtet werden müssen, etc.

11:50 Beginn mit „Spitzelballett“. Technisch (Trockeneis, Licht, Ton, „Eiserner“ o.k.). Trotzdem nochmal, wegen choreographischer Sicherheit.

Die nächsten Übergänge: Ankunft/Verwandlung/Abflug Drache (nur Licht und Ton). Nächster Übergang Ende 1. Akt: Abbau Wohnzimmer / Aufbau Marktplatz. 2 mal.

Als sich Darsteller in technische Dinge einmengen, Damerius, „Denkende Schauspieler… Es gibt nichts Schlimmeres als denkende Schauspieler!…“

Das nächste: Landung des Drachen auf der Schaukel (große Ankunft). Ein 2. Mal, weil der Gegenzug (Drachenwand hoch, Flugwerk ‚runter) nicht klappte. Dann Anheizung zum Kampf/Heinrich. Großer Übergang / Drachenmantel ‚runter. Gleich Übergang zur 2.6, damit das Timing klappt, dass „Heinrich“ Liebaug von hinter dem Eisernen nach vorne auf die Vorbühne kommt. Liebaug ist nicht gleich da (weil ihm zu viele Leute im Weg standen), daher gleich ein 2. Mal. Und ein 3. Mal, damit es technisch exakt hinhaut!

Dann die 2.6. Kleine Komplikation am Ende der Choreographie wegen der neuen, großen Tarnkappe und der Lichterkette/Stecker und Lichtstimmung/Black. Das Ende noch ein paarmal bewegungstechnisch, um zu trainieren, dass Lanzelot, Tarnkappe und Fliegender Teppich blitzschnell und ungesehen im Lichtwechsel und Nebel von der Bühne kommen. Dann mit Lichtabfolge und Nebel einmal. Zuletzt komplette Choreographie mit allem.

Übergang zum Kampf 2-3 mal. Dann erst mal Schluss (13:20).

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19:00 1. Hauptprobe (HP1). Statisterie wieder komplett (außer Max Radestock, die Kinder werden jetzt von Abend zu Abend abgewechselt).

Die Regieassistentin freut sich wie ein kleines Kind, als Achim Reimschüssel (Technik/Bühnenmeister) sie vor der Probe bittet, sich auf die Schaukel ins Flugwerk zu setzen und sich hochziehen zu lassen, um mit der Strickleiter etwas auszutesten (automatisches Entrollen durch ein Bühnengewicht, das auch die Schaukel näher zur Strickleiter fährt).

Ca. 19:10 Beginn der Probe. Besuch des Fördervereins (Freundeskreis) des Theaters mit etwa 25-30 Leuten. (18:30 kurze Einführung durch Dramaturgin Ulrike Rohde und Klaus Weber im Foyer der Stadthalle.) Jonas Roick, ein Kollege von Dennis Jagusiak, fotografiert (seit ein paar Tagen schon), um Dennis zu entlasten, vor allem jetzt, da er als Wache/Lakai ständig auf der Bühne sein muss.

Bis zur großen Landung des Drachen alles glatt. Kurze Unterbrechung, da Streibigs Mantel hängenblieb und verrutscht ist. Weitere kurze Unterbrechung bei der Kampfanheizung, die Damerius sofort als „unsere Lieblingsstelle“ bezeichnet. Die nächste Unterbrechung folgt sogleich (die zweite „Lieblingsstelle“) – Nötzelmann hat seinen Umzug zeitlich nicht geschafft. Zudem wurde das Stromkabel für die Lichterkette nicht vorbereitet!

Beim Fall des „Drachenleibs“ (großer Mantel im Zug nach unten) ist der Lichtwechsel zu früh, die Bühne wird schon blau, als „Heinrich“ und „Bürgermeister“ noch auf dem Rednerpodest stehen. Damerius gibt über Mikrophon durch, dass der Lichtwechsel zu früh kam. Radestock spontan, „Er ist hinter der Bühne (orig.: Mühle) aufgeplumpst!“

20:53 Pause. 1. Teil mit gestoppter Zwischenzeit 1’32.

Das Abschminken nach der Pause ist übrigens, seit gestern schon, gestrichen.

Ca. 21:10/15 geht’s weiter mit dem 2. Teil (etwa orig. Länge der Pause).

„Bürgermeister“ Radestock hängt im Text, vergisst zu sagen, „Was macht dieser Weber, der Schmied, Mützenmacher?“ Daher entsteht eine Pause. In die Stille hinein fragt „Kerkerkommandant“ Nötzelmann, „Du wolltest mich doch fragen, was die Bürger machen!“

Für das Hochzeitsbild geht der Regisseur, wie bei den anderen Szenen, in denen er Text oder Handlung hat, auf die Bühne (sonst bleibt er im Zuschauerraum). Er ist zwar im Kostüm, bleibt aber nach der Pause in der schwarzen Kleidung. Ist er gestern mit Privatklamotten beim „Menuett“ völlig aus der Reihe getanzt, so sticht er heute mit seinem Schwarz souverän aus der blütenweißen Masse heraus. Sowieso wirkt er als Regisseur noch souveräner und ernster im schwarzen Anzug, besonders, wenn er Regieanweisungen übers Mikrophon durchgibt oder die Probe anhält. Er bewahrt bewundernswert die Ruhe.

21:47 Ende. Der 2. Teil ca. 35 min. Umziehen und Kritik im Aufenthaltsraum, wobei Damerius diese an einzelne Darsteller gesondert verteilt (sonst geschieht das immer in kompletter Versammlung).


Fr. 07.04.2000

Fred Graeves Geburtstag

Das Anstoßen wird mehr über den Tag verteilt, da morgens gleich viel los…

11:00 2. Hauptprobe. Vorher wird eine Änderung angesagt: Allgemein wurde der Kampf von den bisherigen Zuschauern als zu lang empfunden. Daher hat der Regisseur ihn über Nacht nochmal eingestrichen. Dies wird vor dem Durchlauf vor versammeltem Ensemble im Aufenthaltsraum angekündigt. Wirre Gesichtsausdrücke gleich am frühen Morgen…

Ca. 11:10 Beginn der HP2.

Ronald Strauß und die Regieassistentin am Ton schwitzen schon zu Beginn wegen dem bevorstehenden veränderten Kampfbild. Sie gehen die Tonstimmungen auf den beiden Quellen gedanklich durch – vieles wird nicht mehr so funktionieren wie bisher, da die Verteilung anders sein müsste. Köpfe rauchen…

Der Kampf funktioniert in allen Bereichen gut! Zwar mit Ansagen des Regisseurs übers Mikro, aber ohne Unterbrechung glatt! Das ist erstaunlich, denn auch veränderte technische Handgriffe und Lichtwechsel, und neue Textanschlüsse für die Darsteller hängen damit zusammen.

Der 1. Teil kommt auf 1’29.

Pause.

13:05 weiter. Heute wechselt Regisseur Damerius wenigstens seine Fräcke für seine Bühnenpräsenz. Er fügt sich in halb-weiß schon besser ins Hochzeitsbild. Einzig die blauen Jeans stechen noch heraus…

2. Teil 33 min.

—–

18:00 technischer Durchlauf ohne Maske, ohne Kostüm, mit Requisite, ganz locker Szenen chronologisch durch, um Übergänge, technische Dinge, Ton, Lichtwechsel, neuen Kampf, etc. zu trainieren. Diese Art Probe ist nur deshalb angesetzt, weil Souffleur Bernd Kruse heute Abend in der Vorstellung Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn Goethe schon verbraten ist. Aber diese Lockerheit hat etwas. Die gestern abhanden gekommene Spielfreude taucht allmählich wieder auf!

Statisterie komplett, außer Regina Schallehn, die auch die nächsten Male nicht dabei ist, weil sie wegfährt. Beide Kinder, Max Radestock und Lukas Reuß, sind da. Das ist gut, denn dann können sie den veränderten Kampf üben (Max war vormittags schon dabei, da nach der 3. Stunde bereits Schule aus – die Osterferien stehen vor der Tür!).

Lichtstimmung für die Verwandlung des Drachen in der 1.3 wird verändert, weil das Lykopodium (Feuereffekt) an der Stelle gestrichen wurde. Stattdessen mehr Lichteffekte, Flackern, etc., damit man nicht sieht, wie er seine Maske in die Seitengasse (Seite/Vorbühne) wirft.

Der Regisseur unterbricht jetzt öfter, um Regieanweisungen und Korrekturen anzugeben, zu denen er während der Durchläufe kaum mehr kommt, weil er selbst auf so viele Dinge achten muss und nicht zum Schreiben kommt (normalerweise ist das Mitschreiben der angesagten Kritik Aufgabe der Regieassistenz, doch die ist ja dem Ton zugeteilt).

1.4. „Bürgermeister“ Radestock macht im Text einen riesigen Sprung und sagt viel zu früh, „Ich habe einen Anfall von Katalepsie.“ Miriam „Elsa“ Ternes trocken, „Jetzt schon ?!“ Radestock unsicher, „Nicht?“ Ternes schüttelt den Kopf, „M-m…“ An der richtigen Stelle, er, „Aber jetzt hab‘ ich einen Anfall von Katalepsie…“ Dann wieder zu früh, „Jetzt habe ich eine leichte… nee…“, geht zu den „Bürgern“ ‚rüber, setzt neu an…

Choreographie 2.6 und Ende mit Lichterkette, unsichtbar werden, etc. klappt auf Anhieb! Ronald Strauß und die Regieassistentin sind deshalb so fasziniert, dass sie beinahe den nächsten Toneinsatz verpennen…

Nach dem Monolog den Kampf nochmal. Gut gelaufen! 20:05 Ende der Probe!

Beim 1. Kampfdurchlauf spielt Lukas Reuß. Max Radestock sitzt neben dem Ton, schaut dort fasziniert auf Knöpfe, Regler, Display… Plötzlich ein sog. Generalhänger im Text – Lukas wäre dran. Stille (bis auf die Musik). Der Regisseur, „Was is‘ nun?“ Max „souffliert“ von hinten quer über den Zuschauerraum, „Das Kind!“


Sa. 08.04.2000

DER GROSSE TAG !

11:05 Generalprobe (GP).

Regisseur Damerius heute in komplettem Kostüm, komplett auf der Bühne, komplett in Maske. Für gravierende Dinge schreibt Choreograph Charles Gillaume vorne am Regiepult mit.

Ronald Strauß hat in einer Nachtsession nochmal den Ton bearbeitet und neu auf die beiden Quellen verteilt. Nochmal neues Eingewöhnen!

GP läuft gut (eigentlich viel zu gut !). 12:32 Pause. 1. Teil dauert 1’27.

2. Teil um 12:53 (ca. orig. Pausenlänge). 13:25 Ende. 2. Teil dauert 32 min.

Applausordnung auf der Bühne mit versammelter Mannschaft. Der Regisseur geht die Vorhangordnung Schritt für Schritt durch und stöhnt schon zu Beginn, „Sind das viele Leute, mein lieber Herr Gesangsverein!“ Die „Bürgerinnen“ fragen, ob sie sich verbeugen oder knicksen sollen. Damerius überlegt, „… ja, knicksen… oder wie machen das Frauen…?“

Ca. 13:45 werden alle Beteiligten mit einem „Ruht euch aus, schönes Mittagessen…“ vom Regisseur in die wohlverdiente Ruhezeit geschickt…

Toi, Toi, Toi zur heutigen Premiere um 20:00 im E-P-H ! ! !

DER DRACHE • SCHWARZ DER DRACHE • HARBURG MEX
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