DAS LEBEN DER BOHEME [UA] • OTTENI, OSTERMEIER

PREMIERE – SAMSTAG, 18. APRIL 2015

REGIE: STEFAN OTTENI, MUS. LEITUNG: BETTINA OSTEMEIER, AUSSTATTUNG: PETER SCIOR/SONJA ALBARTUS, DRAMATURGIE: HORST BUSCH

nach dem Roman von Henri Murger und der Oper von Giacomo Puccini
Ich spiele Hausbesitzer, Wirt, Kunsthändler u.a.
Foto © Marion Bührle


Zum Inhalt:
Irgendwo in einem Künstlerviertel einer europäischen Großstadt. Der Musiker Alexandre, der Maler Marcel, der Philosoph Gustave und der Dichter Rodolphe sind Freunde. Sie zählen sich zur intellektuellen kritischen Subkultur, pfeifen auf Regeln und Normen und ein rundum abgesichertes Leben ist ihnen verhasst. Kälte und Hunger scheinen ihnen genauso wenig etwas anhaben zu können, wie die ständigen Geldsorgen. Ihr Leben ist ein Leben auf Pump. Nichts ist von Dauer und neben ihren Freundinnen haben sie zahlreiche Bekanntschaften. Gemeinsam fristen sie ein anarchisches Dasein und suchen neue Wege in der Kunst. Doch auch an dieser Clique geht die Zeit nicht spurlos vorbei und ihre Kraft, sich gegen die Gesellschaft zu stellen, wird immer geringer. Marcels Freundin Musette heiratet einen anderen und Rodolphes Geliebte Mimi stirbt an Schwindsucht. Was bleibt, sind sehnsüchtige Erinnerungen an ein ausschweifendes Leben und eine romantische Verklärung von Jugend und Kunst.

Nach Henri Murgers Roman „Scènes de la vie de Bohème“ entwickeln der Regisseur Stefan Otteni und die Musikerin Bettina Ostermeier einen eigenen Abend mit viel Musik über die scheinbar ach so ganz andere Welt der Kunst. Ähnlichkeiten mit Giacomo Puccinis „La Bohème“ sind gewollt.

Besetzung:

Henriette Schmidt (Mimi), Elke Wollmann (Musetta), Thomas L. Dietz (Rodolphe, Dichter), Philipp Weigand (Marcel, Maler), Martin Bruchmann (Alexandre Schaunard, Musiker), Karen Dahmen (Colline Gustave, Philosophin), Frank Damerius (Vermieter, Wirt, Medici, Kunsthändler, Apotheker), Julian Keck (Herr Zucker, Barbemuche, Alexis, Maurice, Johannes), Bettina Ostermeier (Klavier/Akkordeon/Klarinette), Maria Voigt (Violine), Birgit Förstner (Violoncello/Singende Säge), Maike Hilbig (Kontrabass), Werner Treiber (Schlagwerk)


Kritik:

Regisseur Stefan Otteni und Schauspielmusikerin Bettina Ostermeier haben eine Mischung aus ironischen Theaterstück und Chanson-Medley gebastelt. Die Ausgangssituation ist dieselbe wie bei Puccini: Rodolphe, der erfolglose Poet, bewohnt mit den ebenso erfolglosen Alexandre (Musiker) und Marcel (Maler) eine kalte Mansarde, das Geld reicht weder für Miete noch für Essen. Otteni und Ostermeier reichern die Vorlage, in der bekanntlich die Liebe immer wieder an den Finanzen scheitert und Mimi ihrem traurigen Ende entgegensiecht, mit aktuellen Anspielungen an.
Da geht es auch um das Künstlerdasein in Gostenhof („Eine Ausstellung auf AEG im Jahr beweist noch kein Talent!“), um die Klischees der Vorlage („Das ist Bohème-Kitsch!“) und das manchmal alberne Suchen nach Inspiration.
Viele Gags sind nett, das Ensemble spielt und singt mit viel Energie. Allerdings hätte es nicht drei Stunden Singspiel, die erwartbar (nämlich melodramatisch) enden, gebraucht, um all die Stereotypen über Künstler erneut zu verbreiten. Ein Teil des Premierenpublikums bejubelte Schauspieler und Team, der andere blieb eher ratlos.
Katharina Erlenseen

DIE LÄCHERLICHE FINSTERNIS • LOTZ DAS KÄTHCHEN VON HEILBRONN • KLEIST
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